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Suchmaschine Qwant auf Expansionskurs

Mit dem Aufbau des deutschen Standorts will Qwant die Suche für das "vernetzte Fahrzeug" verbessern und mit Verlagen kooperieren.

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Suchmaschine Qwant auf Expansionskurs

(Bild: qwant.de)

Die französische Suchmaschine Qwant expandiert nach Deutschland. Wolf Hisserich, der zuvor für die Deutsche Telekom am Aufbau europäischer High-Tech-Konsortien arbeitete, soll als nun frisch gebackener CEO von Qwant Deutschland neue Geschäftsfelder erschließen. Er soll in Deutschland den Bekanntheitsgrad und die Akzeptanz für Qwant mehren und Investoren gewinnen. "Politik und Gesellschaft ticken hier etwas anders als in Frankreich", sagt er. "Wenn Verteidigungsministerin von der Leyen verkünden würde, dass Bundeswehrsoldaten ab sofort nicht mehr Google als erste Wahl nehmen dürften, wäre der Aufschrei groß."

Partner in Deutschland sucht Qwant für die Suche im "Internet der Dinge". Beispielsweise ließe sich die ID eines vernetzten Fahrzeugs finden, das dann mit Angeboten aus der Gastronomie verknüpft werden könnte, um den Konsum im Auto zu monetarisieren. "Der Umsatz mit Musik und Büchern wäre für die Autohersteller nicht mehr kontrollierbar, sobald sie Google ins Auto lassen", betont Hisserich im Gespräch mit heise online. Er will in den nächsten Monaten mit allen deutschen Automobilherstellern Kooperationsmöglichkeiten sondieren. In Frankreich hat Qwant Renault allerdings nicht überzeugen können. Der Autobauer entschied sich für Google. Das sorgte im September 2018 für einen kleinen Eklat, als Qwant daraufhin seine Teilnahme am Pariser Autosalon absagte.

Mit dem Axel-Springer-Verlag ist bereits ein großes deutsches Unternehmen mit an Bord. In der News-Suche finden sich entsprechend auch bereits Beiträge aus den Medienangeboten des Verlags. Bei der News-Suche von Qwant wird der Verlag denn auch an den Werbeeinnahmen beteiligt. Hisserich will in den nächsten drei Monaten weitere Verlage mit einem "Fair-Share"-Konzept gewinnen.

Qwant wirbt für sich als Suchmaschine, "die ihre Privatsphäre respektiert". Sie kommt ohne Cookies aus, gibt das Unternehmen in seinen Datenschutzbestimmungen an. Sie nutzt auch keine Techniken wie Pixel oder digitale Fingerabdrücke, mit denen individuelles Suchverhalten verfolgt werden und ein personenbezogenes Profil angelegt werden kann. Daten, die für die Bereitstellung der Qwant-Dienste erhoben werden, werden nicht für kommerzielle oder andere Zwecke verkauft. Nutzer können nämlich ein Konto anlegen, um Suchergebnisse zu speichern oder Boards anzulegen.

Der Qwant-Index umfasst mittlerweile 15 Milliarden Einträge. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Suchmaschine 18 Milliarden Suchanfragen. In Frankreich hat sie 2018 wichtige Durchbrüche erreicht: So wird die Suchmaschine nicht nur in der französischen Nationalversammlung und dem Senat, sondern auch in der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt Frankreich und der Industrie- und Handelskammer standardmäßig genutzt. Außerdem wird sie inzwischen an allen französischen Schulen verwendet, da sie auch eine Kindersuche enthält. Schließlich sind bislang 90 Prozent der französischen Kommunalverwaltungen gewechselt. Das Heise-Angebot Techstage hat Qwant ebenfalls als Suchmaschine eingebunden. (anw)

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