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Süchtig nach Ingame-Käufen: Mikrotransaktionen können ein Leben zerstören

Mikrotransaktionen können genau wie herkömmliches Glücksspiel süchtig machen. Ein in Therapie befindlicher Spieler, der mehr als 13.000 US-Dollar einsetzte, warnt nun eindrücklich vor den Gefahren.

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Süchtig nach Ingame-Käufen: Mikrotransaktionen können ein Leben zerstören

(Bild: heise download )

Viele Spieler stehen Mikrotransaktionen in Spielen – wie sie etwa beim EA-Spiel Star Wars Battlefront 2 kritisiert wurden – ablehend gegenüber. Der Ärger richtet sich dabei häufig über gegen die Geschäftsmodelle und die finanzielle Gier der Publisher und Spieleentwickler, die selbst in Vollpreisspiele noch kaufbare Gegenstände implementieren. Doch Mikrotransaktionen können – wie traditionelles Glücksspiel – schnell zu einer Sucht werden und Leben regelrecht zerstören. Es gibt zahlreiche Menschen, deren Leben aufgrund von Mikrotransaktionen aus den Fugen gerät, deren Schicksale aber nur selten thematisiert werden.

Ein Betroffener ist ein 19-jähriger Spieler, der unter dem Nutzernamen Kensgold einen offenen Brief an Spielefirmen wie EA verfasst hat. In diesem warnt er andere Spieler vor den Gefahren von Mikrotransaktionen: "Ich bin 19 und glücksspielsüchtig", schreibt Kensgold. Insgesamt habe er über weit 10.000 US-Dollar für Ingame-Käufe ausgegeben. Er fordert die Nutzer auf, Mikrotransaktionen als eine besonders gefährliche Art von Käufen bekannt zu machen.

Das US-Portal Kotaku nahm Kontakt mit Kensgold auf, hatte Einsicht in die Kontoauszüge des Nutzers und konnte dessen Schicksal bestätigen: Demnach gab Kensgold, der anonym bleiben möchte, innerhalb der vergangenen drei Jahre 13500,25 US-Dollar für Ingame-Käufe in Spielen wie Counter-Strike: Global Offensive, Smite und The Hobbit: Kingdoms of Middle-Earth aus.

Im Interview mit Kotaku erklärt Kensgold: "Es fühlt sich nie so an, als ob man eine gute Entscheidung trifft, wenn man diese hundert Dollar ausgibt." Warnvorrichtungen oder Konsequenzen habe es nicht gegeben. Auch der Versuch der Eltern, seinen Internet-Anschluss zu kappen, um ihm vom Spielen abzuhalten, schlug fehl: Kensgold überbrückte dies mit der 3G-Internetverbindung seines Smartphones. Zeitweise übte Kensgold zwei Teilzeitjobs aus, um seine Ingame-Kaufsucht zu befriedigen und brach fast die High School ab.

#heiseshow: Spielerwut auf Mikrotransaktionen. Kriegen Publisher nie genug?

Der Weg führte in eine Therapie. Laut Kotaku beendete Kensgold nach einem Gespräch mit dem Therapeuten zumindest das Glückspiel mit Counter-Strike-Go-Skins und stampfte seine Sammlung ein. "Ich musste den Mut aufbringen, um Hilfe zu bitten." Kensgold brauchte nach eigenen Angaben einen Therapeuten, um ihm zu erklären "Das ist es, was du tust, so kannst du dir selbst helfen, hier sind die Werkzeuge, die dir helfen."

Völlig losgekommen von der Sucht ist Kensgold bis heute nicht, nimmt aber von Spielen mit käuflichen Gegenständen nach eigenen Angaben Abstand. Die Sucht sieht Kensgold auch als persönliches Versagen; er habe aber im Vergleich zu anderen Süchtigen noch Glück gehabt.

Spieler, die besonders viel Geld in Ingame-Gegenstände stecken, werden von Spielefirmen "Whales"/Wale genannt. Diese Spieler sind besonders begehrt, da sie dauerhaft große Mengen in die Spiele investieren. Kensgold richtet einen Appell an Spieler und potenzielle Whales: "Es ist nicht nur ein einmaliger Kauf. Das ist es nie."

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