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Südkorea: Hotelgäste mit Kameras bespitzelt und live gestreamt

Zwei Männer in Südkorea sollen Hotelgäste heimlich mit versteckten Kameras gefilmt und das als Online-Livestream angeboten haben.

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Südkorea: Hotelgäste mit Kameras bespitzelt und live gestreamt

Kameras versteckt in der Hotelzimmereinrichtung.

(Bild: South Korea National Police Agency)

In Südkorea sind zwei Männer verhaftet worden, die mit versteckten Kameras in Hotelzimmern rund 1600 Gäste bespitzelt und das als Livestreams auf einer Website vermarktet haben sollen. Die mutmaßlichen Täter sollen dafür laut Bericht der CNN in 42 Zimmern in 30 verschiedenen Hotels in zehn Städten heimlich kleine Kameras angebracht haben – etwa in Fönhaltern, Set-Top-Boxen und ähnlicher Hotelzimmerausstattung.

Die Aufnahmen wurden dann über eine Website verbreitet, die mehr 4000 Mitglieder gewonnen haben soll, 97 davon zahlende Abonnenten. Die Abonnenten hatten, wie CNN schreibt, für umgerechnet rund 40 Euro im Monat Premiumleistungen erhalten, etwa sich die Aufnahmen beliebig oft anschauen zu können. Über drei Monate lang, vom 24. November bis zum 3. März, sei die Bespitzelung der nichtsahnenden Gäste unbemerkt geblieben. Der Polizei nach haben die Täter in der Zeit rund 7 Millionen Won mit den Videos eingenommen (umgerechnet rund 5460 Euro).

Die zwei Hauptverdächtigen haben sich laut der Nachrichtenagentur AP die Arbeit aufgeteilt: Der eine soll als Gast in den Hotels logiert und dabei heimlich die Kameras installiert haben. Der andere Mann habe die Website erstellt und administriert. Zwei weitere Verdächtige, die die Ermittler im Visier haben, sollen die Spycams gekauft und Geld für den Websitebetrieb bereit gestellt haben. Bei Verurteilung könnte auf die beiden Hauptverdächtigen eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren warten.

Solche ungewollten Intimaufnahmen mit versteckten Kameras sind in Südkorea bereits seit längerem ein gesellschaftliches Problem: Vergangenes Jahr hatte es mehrere Demonstrationen unter dem Motto "Mein Leben ist nicht Dein Porno" gegeben. Anlass war die illegale Installation von Kameras in WCs und Umkleidekabinen sowie die Verbreitung der Videoaufnahmen.

Lag die Zahl der Anzeigen wegen sogenannter Versteckte-Kamera-Pornografie laut der Nachrichtenagentur Yonhap im Jahr 2012 bei 2.400, gab es 2017 über 6.000 solcher Fälle. 80 Prozent davon betrafen Frauen. Aktivisten kritisierten auch eine zu lasche Vorgehensweise von Behörden und Justiz. Die Stadt Seoul erklärte als Reaktion auf die Proteste, dass die öffentlichen Toiletten der Stadt täglich auf versteckte Kameras untersucht werden sollten. (axk)