Sun-Manager bezichtigt Microsoft des "Patent-Terrorismus"

James Eagleton, bei Sun Microsystems für Systemprodukte zuständig, hat Redmond vorgeworfen, mit aus dem Kalten Krieg bekannten Abschreckungstaktiken gegen freie Software und Innovationen vorzugehen.

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Von
  • Stefan Krempl

James Eagleton, bei Sun Microsystems für Systemprodukte zuständig, ist auf die jüngsten Taktiken Microsofts im Kampf gegen freie Software mit Hilfe der Androhung von Patentklagen sowie dem gleichzeitigen Abschluss umstrittener Abkommen rund um gewerbliche Schutzrechte mit Novell, Xandros und Linspire gar nicht gut zu sprechen. Laut dem Fachdienst ZDNet hat der Manager Redmond vorgeworfen, derzeit mit aus dem Kalten Krieg bekannten Abschreckungsstrategien gegen Open Source und "den Geist der Innovation rund um Software" vorzugehen.

"Was wir gerade sehen, kann durchaus als Patent-Terrorismus beschrieben werden, bei dem eine Horde von Patenten als Drohung eingesetzt wird", wird Eagleton zitiert. Ständig werde auf die angehäuften gewerblichen Schutzrechte verwiesen und der Gang vor Gericht angekündigt, sollte man diese verletzen. Vor allem die Anwender freier Software – aber letztlich alle Mitstreiter in der Open-Source-Entwicklergemeinde – hätten es satt, immer wieder ein schlechtes Gewissen gemacht zu bekommen.

Rechtsexperten von Microsoft hatten im Mai erstmals Zahlen über die angeblich von Linux und zugehöriger Software verletzten Patente aus dem eigenen Haus bekannt gegeben. Demnach verstoßen Open-Source-Applikationen rund um den Linux-Desktop gegen insgesamt 235 staatlich gewährte Ansprüche Microsofts. Auf wiederholte Nachfragen von heise online war in Redmond aber niemand bereit, genauere Angaben zu den vermeintlich betroffenen Schutzrechten zu machen. Zuvor gab es mehrfach Drohungen der Redmonder Spitze, mit Patenten gegen Linux rechtlich vorzugehen. Zu einer Klageerhebung ist es bislang freilich nicht gekommen. Experten vermuten, dass Microsoft mit dieser Strategie mehr Linux-Vertriebsfirmen zum impliziten Eingeständnis von Patentverletzungen bewegen und näher an sich binden will.

Eagleton platzte jetzt der Kragen über das Spiel der Redmonder. Dem stellte der Manager den seiner Ansicht nach deutlich handhabbareren Umgang mit Patenten entgegen, wie ihn Sun und in geringerem Maße IBM pflegen würden. Insbesondere das mit OpenSolaris eingeführte Open-Source-Lizenzmodell Common Development and Distribution License (CDDL) schütze die Nutzer wirksam vor möglichen Patentklagen. Zugleich lobte er auch, dass Big Blue immer wieder bewusst auf die Durchsetzung und Lizenzkostenpflicht eigener Schutzrechte bei der Verwendung potenziell betroffener Codeteile in Open-Source-Applikationen und offenen Standards verzichte. (Stefan Krempl) / (pmz)