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Sun greift x86-Festung mit Niagara-Servern an

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Die ersten Server mit dem Acht-Kern-Chip UltraSPARC T1 stellt Sun-Chef Scott McNealy heute um 11 Uhr Ortszeit in New York vor. Mit einem aggressiven Preis/Leistungsverhältnis will Sun seine Hardware-Marktanteile deutlich steigern und vor allem im Markt der Webserver und sonstigen Internet-Diensteanbieter punkten.

Die Sun-Server Fire T1000 (1 Rack-Höheneinheit) und Fire T2000 (2 HE) sind von Grund auf neu konzipiert. Vor allem der T2000 entspricht vom mechanischen Aufbau her aber weitgehend dem von Sun-Mitgründer Andy von Bechtolsheim entwickelten 2-HE-"Galaxy"-System Sun Fire X4200, das mit zwei Dual-Core-Opterons bestückt ist. Wie die bereits online auf dem Sun-Webserver veröffentlichte T2000-Dokumentation verrät, unterscheiden sich die beiden Systeme hauptsächlich beim Mainboard: Im T2000 sitzt nur ein einziger UltraSPARC T1, in dem aber vier, sechs oder acht Kerne mit 1 oder 1,2 GHz Taktfrequenz arbeiten. Jeder dieser Kerne des vor wenigen Wochen angekündigten Niagara-Prozessors kann wiederum vier Threads gleichzeitig verarbeiten. Weil ein UltraSPARC T1 mit einem typischen Leistungsbedarf von nur 72 Watt auskommen soll, spricht Sun von der CoolThread-Technik und von ökologisch verantwortlichem Rechner-Einsatz (Eco Computing). Sun multipliziert die Taktfrequenz mit der maximalen Kern-Anzahl und spricht von einem "9,6-GHz-Prozessor mit 70 Watt Leistungsbedarf".

Der UltraSPARC T1 stellt die derzeit radikalste Form der Mehrkernarchitektur bei kommerziellen Rechnern dar. Vereinfacht gesagt lässt der kalifornische Hersteller seinen Prozessor möglichst viele einfache Aufgaben gleichzeitig ausführen. So sollen die Recheneinheiten möglichst durchgängig ausgelastet werden. Dieses Niagara-Konzept stammt von der 2002 von Sun gekauften Firma Afara Websystems. Anders als etwa die Doppelkerne von AMD, Intel, IBM oder Sun selbst (UltraSPARC IV) sitzen nicht mehrere "komplette" Prozessorkerne mit all ihren Transistor-fressenden Zusatzfunktionen nebeneinander auf einem Die, sondern abgespeckte Versionen. So müssen sich beispielsweise alle Kerne eine einzige Gleitkomma-Recheneinheit teilen; für typische High-Performance-Computing- (HPC-)Cluster eignet sich deshalb die CoolThread-Technik nicht. Die vier Kerne haben aber Zugriff auf schnellen Hauptspeicher: Eingebaute DDR2-Speichercontroller binden vier 266-MHz-Kanäle an (DDR2-533/PC2-4200). Der Fire T2000 nimmt laut Online-Dokumentation bis zu 16 DIMMs mit jeweils maximal 2 GByte Kapazität auf, also insgesamt 32 GByte Speicher.

Sun geht ganz gezielt das Segment der Datenbank- und Web-Server an, wo mathematisch eher anspruchslose Operationen anfallen, dafür aber ein hoher Durchsatz gefragt ist. Hier sollen die neuen "Throughput-Computing"-Systeme (daher der Buchstabe T in der Typenbezeichnung) mit hoher Packungsdichte (acht Kerne im 1-HE-Rack-Gehäuse, also 336 Kerne pro 42-HE-Rack), niedrigem Leistungsbedarf und dennoch sehr hohem Durchsatz punkten. Für Verschlüsselungsbefehle ist eine Hardware-Beschleunigung implementiert. Die Leistungsfähigkeit der neuen Fire T1000 und Fire T2000 will Sun mit sieben neuen Benchmark-Rekorden unter Beweis stellen. Sun nennt im SPECweb2005-Benchmark einen Leistungsvorsprung von 77 Prozent vor dem Vier-Wege-Server p5 550 von IBM. Einen Dual-Xeon-Server (mit 3,8-GHz-Prozessoren) von IBM schlägt der T2000 gleich um das Dreifache. Beiden Konkurrenten sei der Sun Fire im Verhältnis von Leistung/Watt um den Faktor 4 voraus.

"Wir sind der Konkurrenz um rund fünf Jahre voraus," bemerkte Sun-Präsident Jonathan Schwartz bereits im Vorfeld. Er meint damit, dass Sun 32 Threads auf einem einzigen 90-nm-Chip untergebracht hat. Diese Fertigungstechnik gilt bereits als "reifer Prozess". Intel schafft es damit nur zum Preis extrem hoher Leistungsaufnahme, vier Threads (zwei Hyper-Threading-taugliche Kerne) auf einen Chip zu packen. Für den Server-Bereich will Intel wohl erst 2008 einen 65-nm-Prozessor mit vier Kernen liefern. Laut Schwartz würden also bis zum Erreichen von 32 Threads pro CPU noch drei Prozessorgenerationen benötigt; Gleiches gelte für die Power-Prozessoren von IBM.

Sun nennt eine Reihe zufriedener Beta-Kunden, die die Multicore-Systeme bereits seit sechs Monaten testen. Dazu gehören Betreiber großer Rechenzentren wie Air France, EDS und eBay sowie die deutschen Firmen Strato und dem Rechenzentrums-Dienstleister Fiducia.

Die Sun-Fire-T1000-Modelle sollen ab März lieferbar sein, die Preise beginnen bei etwa 3000 US-Dollar bei gleichzeitigem Abschluss eines Service-Vertrags. Den Fire T2000 will Sun ab sofort ab rund 8000 US-Dollar verkaufen. (Erich Bonnert) / (jk)