Sun macht StarOffice offiziell zur Open Source unter GPL

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In den letzten Tagen kursierten bereits Gerüchte, Sun wolle den Quelltext seines Office-Pakets unter der GNU General Public License (GPL) freigeben. Selbst firmenintern wurde die Nachricht zum Teil als Unfug bezeichnet. Heute wird Sun die Offenlegung der Quelltexte aber offiziell ankündigen.

Die Freigabe des Quelltextes will Sun auf der O'Reilly Open Source Convention im kalifornischen Monterey verkünden. Als Koordinator für die Weiterentwicklung des Office-Pakets soll die Organisation OpenOffice.org gegründet werden, an der sich unter anderem Tim O'Reilly, Miguel de Icaza vom Gnome-Porjekt, Brian Behlendorf von der Apache Software Foundation und Andy Hertzfeld beteiligen. Weitere Mitglieder will Sun im Laufe des Tages nennen, darunter auch namhafte Firmen. Neben der Koordination der Sourcen soll OpenOffice auch für die Definition von Dateiformaten auf XML-Basis sowie für die sprachenunabhängigen Programmierschnittstellen zuständig sein.

Den Quelltext will Sun ab dem 13. Oktober 2000 auf www.openoffice.org zur Verfügung stellen. Dabei werde es sich nicht mehr um die aktuelle Version 5.2, sondern um das kommende StarOffice 6.0 handeln, das verstärkt komponenten-orientiert strukturiert sein soll. Zudem sollen die Module wie Textverarbeitung oder Tabellenkalkulation optional nicht mehr unter dem eigenen Desktop, sondern wieder als einzelne Applikationen laufen. Diese Version soll als Grundlage für die weitere Entwicklung dienen. StarPortal, die Weiterentwicklung von StarOffice zu einer Anwendung, die über das Web genutzt wird, wird aber nicht als Open Source unter der GPL herausgegeben. StarPortal sei auch inzwischen ein ganz anderes Produkt als StarOffice, hieß es bei Sun.

Die eigene Weiterentwicklung des Office-Pakets will Sun mit diesem Schritt keineswegs auf die Open-Source-Gemeinde abwälzen. Vielmehr soll die Hamburger Entwicklungsabteilung in vollem Umfang als Teil von OpenOffice.org weiter an StarOffice arbeiten und für die Plattformen Windows, Solaris, Linux und Mac OS zuständig sein, wie der Sun-Vizepräsident für Webtop- und Applikations-Software, Marco Börries, c't gegenüber versicherte. Suns "Commitment für StarOffice" sei sogar größer als je zuvor, betonte Börries. Man werde die Software weiterhin aggressiv als führende plattformübergreifende Office-Lösung und als konkurrenzfähige Alternative zu anderen Office-Paketen vermarkten. Mit dem Schritt in Richtung Open Source erwarte Börries innerhalb von drei Jahren einen ähnlich großen Einfluss von StarOffice, wie ihn Linux heutzutage innehält.

Dafür soll insbesondere die auf Komponenten aufbauende Architektur von StarOffice sorgen, die Entwicklern ein sprachenunabhängiges API (Applications Programming Interface) zur Verfügung stellt, mit der sie StarOffice-Komponenten in eigene Applikationen einbinden beziehungsweise plattformübergreifende eigene Anwendungen entwickeln können. So soll StarOffice beispielsweise in den Gnome-Desktop für Linux integriert werden. Insgesamt stellt Sun also neben dem Quelltext eines ausgewachsenen Office-Pakets vor allem auch Software-Entwicklern ein Application Framework zur freien Verfügung. Und darauf scheint mit diesem überrraschenden Schritt Suns, die ihre Techniken bislang nie unter der GPL herausgaben, auch die Betonung zu liegen: Nicht nur ein dickes Source-Code-Paket von Office-Anwendungen einfach unter die Open-Source-Gemeinde zu werfen, sondern eine Art API und ein Framework in der Open Source bereitzustellen, die zum Standard für die Anwendungsentwicklung werden sollen. (db/c't) (jk)