Swisscom: Mehr Gewinn bei gesunkenem Umsatz

Swisscom verzeichnet weniger Umsatz, aber gestiegenen Gewinn. Auch 5G wird langsam effektiv: 90 Prozent des Landes sind mit einer "Basisversorgung" abgedeckt.

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(Bild: Swisscom)

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Auf einer Bilanzmedienkonferenz am Donnerstag stellte Swisscom, der (halbstaatliche) Marktführer unter den Schweizer Telekomunternehmen, seinen Jahresabschluss 2019 vor. Das Fazit bei den Geschäftszahlen: Aus einem gegenüber dem Vorjahr um 2,2 Prozent gesunkenen Umsatz resultiert dennoch ein fast 10 Prozent höherer Reingewinn. Der ansehnliche Gewinn von 1,67 Milliarden Franken (1,56 Milliarden Euro) ergibt sich aber vor allem aufgrund von Einmaleffekten durch eine Unternehmenssteuerreform. Noch dazu wurden 2019 aus Kostenspargründen 519 Vollzeitstellen abgebaut. Gesunken sei der Swisscom-Umsatz von noch 11,45 Milliarden Franken (10,7 Milliarden Euro) "wegen des Preis- und Wettbewerbsdrucks", meldet Swisscom.

Im gesättigten Schweizer Kerngeschäft fuhr Swisscom mit 8,56 Milliarden Franken (8 Milliarden Euro) bei einem Minus von 2,8 Prozent ebenfalls einen geringeren Umsatz ein. Ein starkes Wachstum erzielte Swisscom in Italien mit der Unternehmenstochter Fastweb, einem Telekom-Dienstleister mit dem Schwerpunkt Breitbanddienste. Der Umsatz stieg dort um 5,4 Prozent auf 114 Millionen Euro. Die Swisscom-Aktionäre sollen wie schon seit Jahren eine Dividende von 22 Franken pro Aktie erhalten. Und an der Schweizer Börse erzielte der Telekomkonzern nach der Bekanntgabe der Ergebnisse einen Kurszuwachs um 2,6 Prozent. Alle Zahlen, so Swisscom, bewegen sich im Rahmen der Erwartungen.

Der Umsatzrückgang von 290 Millionen Franken beim heimischen Geschäft mit Telekom-Dienstleistungen sei "hauptsächlich getrieben durch den anhaltenden Wettbewerbs- und Preisdruck in verschiedenen Segmenten und dem Rückgang der Festnetztelefonie", so Swisscom in einer Medienmitteilung. Erneut sank nämlich 2019 die Zahl der Festnetzanschlüsse mit über 10 Prozent deutlich. Wie sie es seit rund 20 Jahren tun. Damals zählte man noch 4,15 Millionen Anschlüsse im Swisscom-Netz. Jetzt sind es insgesamt noch 1,52 Millionen. Noch ein Ergebnis des Handy-Booms: Vergangenen November baute Swisscom die letzte Telefonzelle der Schweiz ab.

Neu und bemerkenswert ist, dass Swisscom laut eigenen Angaben bereits 90 Prozent der Schweizer Bevölkerung mit 5G-Mobilfunk versorgt, wie im Frühjahr 2019 versprochen. "Basisversorgung 5G" nennt das die Swisscom. Laut der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) passierte in der vergangenen Adventszeit eine "wundersame Vermehrung". Anfang Dezember 2019 waren laut NZZ in der Schweiz rund 660 5G-Antennenanlagen in Betrieb. Einen Monat später waren es überraschende 2300. Das liegt aber lediglich an einer angekündigten und schnell durchgezogenen Implementierung von "5G-wide" beziehungsweise einem Software-Update bei 3G-Anlagen, schreibt die NZZ. Mit "5G-wide" bezeichnet Swisscom einen Ausbauschritt auf dem Weg zu "5G-fast", dem eigentlich neuen, "echten" 5G, auch 5G-NR (New Radio) genannt. Für "5G-wide" wird der Frequenzbereich von 2,1 GHz neu für 5G-Mobilfunktechnik statt für 3G genutzt (Frequency Band Refarming) und via "Frequency Sharing" auch bereits bisher benutzte 1,8 GHz- und 2,6 GHz Bänder des 4G-Mobilfunks. 5G-wide soll eine Datenrate bis gut 1 Gbit/s zur Verfügung stellen.

Alles in allem zeigte sich die Swisscom-Führung recht zufrieden. Der Breitbandausbau sei im Plan, Ende 2019 habe Swisscom rund 3,9 Millionen oder 74 Prozent der Wohnungen und Geschäfte mit "Ultrabreitband" erschlossen. So nennt Swisscom Bandbreiten von mehr als 80 Mbit/s. Der Telekomkonzern will nun bis Ende 2025 auch die Glasfaserabdeckung (FTTH) in Haushalten und Geschäften im Vergleich zu heute verdoppeln und vermehrt auf eine Konvergenz der Netztechnologien setzen. "Mobilfunk- und Breitbandnetz sollen intelligent zusammenspielen", so Swisscom. "All digital" ist inzwischen auch der gesamte Privatkundenmarkt der Festnetztelefonie. Der Wechsel auf die IP-Technologie wurde Anfang Dezember 2019 abgeschlossen. Auch 99,8 Prozent der Geschäftskunden seien bereits migriert, der Wechsel soll auch hier per Ende des 1. Quartals 2020 abgeschlossen sein. (tiw)