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Syrien erneut offline

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Das von einem brutalen Binnenkrieg gezeichnete Syrien ist Dienstagabend (Ortszeit) von der virtuellen Landkarte verschwunden. Gegen 21 Uhr MESZ verzeichnete Google überhaupt keinen Datenverkehr von und nach Syrien mehr. Auch OpenDNS bemerkte das plötzliche Ausbleiben Syrischer Anfragen. Umbrella Labs untersuchte daraufhin die Daten des Border Gateway Protocol (BGP) und stellte fest, dass fast alle Routen verschwunden sind. Von üblicher Weise knapp 80 Verbindungen sind nur noch drei aktiv. RIPEs Atlas-Netz verfügt in Syrien über keine Sonden.

Die Ursache für den aktuellen Ausfall ist zur Stunde nicht bekannt. Flüchtlinge, die seit Dienstagabend die Grenze überquerten, und Rebellen, die auf Satelligenverbindungen zurückgreifen können, glauben laut dpa nicht an ein technisches Problem, sondern vermuten, die Regierung von Präsident Baschar al-Assad habe die Kommunikation absichtlich gestört. Laut Handelsbaltt halten Aktivisten das Kappen von Kommunikationsmöglichkeiten für ein mögliches Zeichen einer bevorstehenden Militäroffensive. Bereits Ende November war Syrien für etwa zwei Tage vom Netz gegangen. Danach sprach die staatliche Nachrichtenagentur Sana von "Wartungsarbeiten". Die Website der Sana ist derzeit ebenfalls nicht erreichbar. Damals wie heute beobachtete Cloudflare allerdings eine systematische Löschung der BGP-Routen.

Diese BGPlay-Animation veranschaulicht die systematische Löschung der BGP-Routen nach Syrien.

Laut der Unterseekabelkarte von TeleGeography führen vier Unterseekabel nach Syrien: zwei von Zypern und je eines vom Libanon und von Ägypten. Die Kabel laufen aber alle in der selben Landestation in Tartus zusammen. Tartus ist die zweitgrößte Hafenstadt des Landes und beherbergt den einzigen russischen Marinestützpunkt im Mittelmeer. Aufgrund des Kriegs in Syrien dürfte das russische Militär die kleine Anlage im Sommer 2012 geräumt haben. (jk)