T-Com-Haus: RFID und WLAN fürs "Mood-Management"

Die Telekom hat mit drei Partnern ein vernetztes Haus in Berlin aufgebaut, das den aktuellen Stand der Technik mit Anwendungen wie einer elektronischen Pinnwand oder fernsteuerbaren Heimgeräten demonstrieren will.

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Von
  • Stefan Krempl

Die Deutsche Telekom hat gemeinsam mit WeberHaus, Siemens und Neckermann ein vernetztes Haus in Berlin aufgebaut, das den aktuellen Stand der Kommunikationstechnik mit Anwendungen wie einer elektronischen Pinnwand oder fernsteuerbaren Heimgeräten und Überwachungskameras demonstrieren will. Das T-Com-Haus, das jetzt mitten in Berlin zwischen Friedrichstraße und Potsdamer Platz zu bewundern ist, entstand in nur drei Monaten und strotzt nur so von Hightech hinter einer eher konventionellen Fassade. Wichtigstes Ziel der Partner ist es, die für den Otto-Normalverbraucher bisher meist als reine Zukunftsvision wahrgenommene Aussicht auf das "E-Home" anfassbar zu machen. Im Vordergrund stehe nicht das "Schaulaufen für Technikfreaks", erklärte T-Com-Marketingchef Achim Berg am heutigen Dienstag bei der Eröffnung der Anlage. Vielmehr solle gezeigt werden, "was für die breite Masse in 15 bis 18 Monaten zu erwarten ist".

Trotz aller Bodenständigkeit ließ die Baugemeinschaft ihre Analysten bei der Konzeption tief in die Glaskugel blicken. Allüberall begegnet man im T-Com-Haus daher neudeutschen Begrifflichkeiten, häufig gekoppelt mit dem Schlagwort "Trend". Gleich im Flur trifft der Eintretende etwa an der Wand auf das "Family-Whiteboard", die Fortentwicklung der Pinnwand aus dem Geiste des Internet. Dahinter verbirgt sich eine Informationszentrale, ein Umschlagplatz für Nachrichten aller Art, für den sich jedes Haushaltsmitglied individuell per RFID identifiziert. Dort können Gäste nach dem Klingeln an der Tür etwa eine kurze Videobotschaft abgeben. Denn in der modernen Wohnumgebung weiß der virtuelle Besuchermanager, ob die Hausgemeinschaft gerade ansprechbar ist. Die auf dem Whiteboard eingehenden Nachrichten lassen sich zudem auch aufs Handy oder zum PC weiterschicken.

LCD-Bildschirme finden sich ferner in fast jedem Raum, um allerorts an die multimediale Kommunikations- und Medienwelt angebunden zu sein. Wert gelegt haben die vier Firmen in ihrer Leistungsschau integrierter Haus-, Telekommunikations- und PC-Technik jedoch darauf, dass schier alle elektronischen Utensilien und Gadgets über ein zentrales Gerät ansprechbar sind. Als universelle Fernbedienung fungiert dabei ein PDA, mit dem man etwa Musik einschalten, sich die Tageszeitung -- natürlich als E-Papier -- auf den Schirm holen oder Informationen auf jeden Fernseher oder PC beamen kann. Die benötigte Software haben T-Com und Siemens gemeinsam entwickelt. Momentan kommt als PDA ein Gerät von Fujitsu-Siemens mit dem Betriebssystem Windows Mobile Pocket PC zum Einsatz. Reinhold Achatz, Leiter Entwicklung, Software und Engineering Corporate Technology bei Siemens, erklärte, dass alles über Standardschnittstellen laufe und die Anwendung so "auf allen Endgeräten implementierbar ist, inklusive Linux".

Die eigentliche Vernetzung erfolgt größtenteils drahtlos per WLAN mit DSL als Rückgrat, über das sich auch Videos herunterladen lassen. Berg betonte, dass sich damit die Hausfunktionen über WLAN-Hotspots "interaktiv in beide Richtungen" nutzen lassen würden. So kann man etwa aus der Ferne überprüfen, ob der Herd auch wirklich ausgeschaltet ist, oder die Heizung an- beziehungsweise abstellen. Natürlich lässt sich auch per Kamera über den PDA überwachen, ob sich ungebetene Gäste im Haus bewegen oder was die Kinder zuhause so treiben. Künftig sind auch E-Health-Anwendungen geplant, mit denen etwa Körperwärme oder Pulsschlag kontrolliert werden.

Der Handcomputer übernimmt mit Hilfe der RFID-Technik zudem das so genannte "Mood-Management", das laut der T-Com-Werbung durch die Steuerung des Licht- und Klangambientes "immer für die perfekte Stimmung im Raum" sorgen soll. Überhaupt spielt die Farbgebung laut Berthold Feiertag, Produktmanager bei Neckermann, eine wichtige Rolle im T-Com-Haus: sie soll das "Wohnwohlfühlkonzept" fürs lifestylegerechte "Homing" unterstreichen. So herrschen im Wohnzimmer aktive Rot-Töne vor, der Fitnessraum soll mit Pink prickelnd wirken, die Schlafzimmer mit Blau und Gelb mal einschläfern, mal aufmuntern.

Rundumvernetzung und Fernkontrolle schaffen natürlich auch neue Angriffsflächen für Hacker. Die Hauspartner sehen sich jedoch ausreichend gegen Attacken gerüstet. Es sei wohl "deutlich einfacher, physikalisch einzubrechen, als softwaretechnisch", behauptete Achatz. Auch Berg hält einen Hack des T-Com-Hauses für "relativ unwahrscheinlich". Doch ausschließen will er ihn nicht: "Wenn man ein bisschen kriminelle Energie hat, ist alles möglich."

Den Unterschied zu anderen Heimtechnik-Schauplätzen wie etwa im Duisburger inHaus des Fraunhofer-Instituts für mikroelektronische Schaltungen und Systeme oder dem von Microsoft mitentwickelten "Haus der Gegenwart" in München sieht Berg vor allem darin, dass alle im T-Com-Haus verwendeten Produkte "in den nächsten 12 bis 15 Monaten auf den Markt kommen" und über eine zentrale Software zusammengebracht werden. Wer sich selbst ein Bild von der neuen interaktiven Wohnwelt machen will, kann sich noch für ein viertägiges Probeerlebnis über die Website des Hauses bewerben. Über 10.000 Surfer haben bereits ihr Interesse kundgetan, entscheiden wird letztlich das Los. (Stefan Krempl) / (jk)