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T-Mobile und Musicload starten Pilotprojekt zur Musik-Superdistribution

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T-Mobile und Musicload haben auf der IFA am heutigen Freitag in Berlin ihre Vision für die "grenzenlose" Verteilung digitaler Musik auf unterschiedlichen Plattformen vorgestellt. Die beiden Töchter der Deutschen Telekom setzen dabei auf den Einsatz eines digitalen Rechtekontrollmanagements (DRM) auf Basis des Standards OMA 2.0 der Open Mobile Alliance. Dank der damit ermöglichten "Superdistribution" wollen die beiden Partner den Kunden "möglichst viel Freiheiten einräumen", wie Joachim Franz, Leiter Produktentwicklung bei Musicload, erklärte. Die beiden Partner planen dafür zunächst einen ersten Feldtest mit 1000 Personen. Einen Termin für die Einführung von OMA-2.0-Funktionen in den Massenmarkt konnten sie bei der Vorstellung ihrer "Vision" noch nicht nennen.

Künftig soll auf Basis des Standards etwa die Rechtefreigabe für gekaufte Songs innerhalb einer "Domain" mit verschiedenen Geräten automatisch erfolgen. In diese Liste, eine Art zentraler Gerätemanager, kann der Nutzer nach Vorstellung des Musicload-Managers etwa seinen PC, seinen MP3-Player, ein Mobiltelefon oder eine Settop-Box eintragen. Darüber hinaus soll ein Weiterschicken von Inhalten innerhalb des rechtlichen Rahmens für die Privatkopie etwa an Verwandte möglich werden. Dazu kommen können Funktionen zum Versenden von Titeln an Freunde oder Bekannte via E-Mail oder andere Übertragungsvarianten, bei denen diese zunächst kurz in ein Stück hineinhören dürfen. Entscheiden sie sich für den Kauf einer Lizenz, steht es den Plattformbetreibern offen, dies etwa über die Gutschrift von Bonuspunkten oder im Rahmen anderer Anreizsysteme zu vergüten.

Der Markt für legale digitale Musikdownloads ist laut Franz "enorm wachstumsstark". Auguren würden für 2006 ein Volumen von 280 Millionen Euro prognostizieren, was immerhin einer Verdoppelung zum Vorjahr entspräche. 2010 sollen die Nutzer 1,1 Milliarden Euro für digitale Songs ausgeben. Noch gebe es aber "zu viele Restriktionen bei der Nutzung und Weitergabe" von Titeln, beklagte Franz. OMA 2 bilde hier die technische Grundlage für einen Prototyp, um die klingenden Bits und Bytes stärker aus der Hardwarebindung zu lösen und den begrenzten Lebenszyklus der Abspielgeräte zu überwinden.

Noch sei das Projekt aber rein im Bereich Forschung und Entwicklung angesiedelt, betonte Matthias Schröter, der bei T-Mobile den Standardisierungsbereich leitet. OMA sei in seiner ersten Version aber bereits "weltweiter Mainstream", sodass auch andere bedeutende Netzbetreiber mit an dem Strang ziehen würden. Auch über Preismodelle für die Superdistribution konnte Schröter noch keine Angaben machen. Der Kunde müsse aber wohl tiefer in die Tasche greifen, falls er Songs etwa beliebig oft vervielfältigen wolle. Die Unterstützung von Weiterverkäufen wie bei physischen Tonträgern, die OMA 2.0 technisch nicht ausschließt, hält er eher für unwahrscheinlich: Die Rechteinhaber würden wohl darauf pochen, dass Nutzungsrechte nicht beliebig übertragbar bleiben.

Apple und die Musikplattform iTunes sieht Franz derweil angesichts der langsamen Weichenstellung hin zu OMA 2.0 aufs Abstellgleis geraten. Das proprietäre System der Kalifornier lässt ihm zufolge eine Öffnung nicht zu. Über iTunes gekaufte Songs würden daher in einer OMA-2.0-Umgebung nicht funktionieren. Musicload bleibe dagegen beim Microsoft-DRM-Standard, der seiner Ansicht nach "sehr gut in den Markt eingeführt ist und angenommen wird von den Endkunden". Neben dem Ausbau der Nutzungsfreiheiten will Musicload ferner mit einer Steigerung der Qualität der angebotenen Dateien Surfer aus dem illegalen Download-Bereich abholen, der laut Franz immer noch "80 Prozent des Gesamtmarktes ausmacht". Geplant ist etwa die Anhebung von gegenwärtig 128 KBit-Stereo-Encoding auf 192 KBit. (Stefan Krempl) / (jk)