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T-Online: Als Inhaltsanbieter gegen die roten Zahlen (Update)

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Wie sich schon bei der Bekanntgabe der vorläufigen Zahlen andeutete, schrieb T-Online im Geschäftsjahr 2000 rote Zahlen. Unter dem Motto "Die T-Online International AG setzt ihren Wachstumskurs weiter fort" berichtet die Internet-Tochter der Telekom, dass sie den Umsatz von 428,4 Millionen Euro im Jahr 1999 auf 797,2 Millionen Euro im Jahr 2000 steigern konnte, ein Plus von 86 Prozent. Dies führt das Unternehmen vor allem auf 2,3 Millionen Neukunden in Deutschland im vergangenen Jahr zurück. Zudem betont T-Online, die Internationalisierung, etwa durch die Übernahme des französischen Providers Club Internet, habe zur Umsatzsteigerung beigetragen: Die Auslandstöchter trugen mit 55,2 Millionen Euro zum Umsatz bei; ohne sie hätte T-Online den Umsatz um 73,2 Prozent gesteigert.

Insgesamt machte T-Online einen Verlust von 121,7 Millionen Euro; unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus dem comdirect-Börsengang ergibt sich ein Verlust von 82,5 Millionen Euro. Wieder betont T-Online, dass die vor kurzem eingestellte Flatrate sehr zu den roten Zahlen beigetragen habe. Zudem habe es Anlaufverluste bei den ausländischen Tochtergesellschaften gegeben. Auch 2001 werde man tiefrote Zahlen schreiben, hieß es bei T-Online. Vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) könnten sich die Verluste sogar verdoppeln. So bezeichnete Finanzvorstand Rainer Beaujean den von Telekom-Analysten genannten Betrag von 250 Millionen Euro als "nicht unrealistisch". Als Richtgröße hierfür könnten die Verluste von 70 Millionen Euro im vierten Quartal gelten, in dem erstmals die ausländischen Töchter voll konsolidiert wurden.

Besonders freut sich T-Online bei seiner Bilanz für das Jahr 2000 aber über eine Zunahme der Einnahmen aus dem Portalgeschäft, also aus Werbung im Netz und E-Commerce. Hier legte T-Online um 570 Prozent von 16,4 Millionen auf 110 Millionen Euro zu. Allerdings kommen geschlagene 44 Prozent dieser Umsätze durch Geschäfte mit der Muttergesellschaft Telekom zu Stande. Die Umsätze mit den Gebühren für Internet-Zugänge stiegen von 395 Millionen auf 666 Millionen Euro. Seit Anfang des Jahres 2000 stieg der Anteil der Umsätze, die nicht durch die Gebühren für Internet-Zugänge erzielt werden, von 11,4 auf 22,3 Prozent.

"Unser Ziel ist es, den Anteil des Portal-Umsatzes bei T-Online bis zum Jahr 2004 auf über 30 Prozent zu steigern", betonte T-Online-Chef Thomas Holtrop. T-Online werde die Weiterentwicklung des Content-Geschäfts weiter forcieren und sich zu einem "breit aufgestellten Informationsdienstleister" wandeln: "Wir werden T-Online zum Internet-Medienhaus umbauen – mit einem klaren Fokus auf Profitabilität. Dieses Ziel werden wir mit neuen, attraktiven Contents, der Erweiterung unseres Service-Angebots, der Intensivierung unserer Werbevermarktung und nicht zuletzt durch den Ausbau unserer Marktführerschaft im Access erreichen", erklärte Holtrop. Als erstes (und bislang einziges) Beispiel für diese Strategie erwähnte der T-Online-Chef die neue Kooperation mit dem ZDF.

Eine klare Absage erteilte Holtrop erneut einer Allianz im Inhaltebereich mit der Münchner Kirchgruppe oder einem anderen großen Medienkonzern. Die Strategie von T-Online baue vielmehr auf ausgewählte selektive Partnerschaften. "Die Inhalte-Kompetenz von T-Online ist das Aufspüren, Veredeln und Bündeln von attraktiven, internetgerechten Inhalten".

Insgesamt steigerte T-Online die Zahl seiner Kunden, die über die Firma ins Internet gelangen, im Jahr 2000 um 70 Prozent auf 7,94 Millionen. Allein in Deutschland waren es 6,53 Millionen, wovon 512.000 Kunden mit einer Flatrate im Internet unterwegs waren. Im Ausland kann T-Online auf 1,41 Millionen Kunden verweisen. Die Zahl der Verbindungsminuten ist nach Angaben des Unternehmens zudem um fast 300 Prozent gestiegen; die Verweildauer auf dem T-Online-Portal hat sich verfünffacht.

Eigentlich entsprechen die bereits bekannten vorläufigen Zahlen weitgehend dem nun vorgelegten endgültigen Geschäftsbericht – die Verluste von T-Online waren somit keine Überraschung mehr. Die Börsianer scheinen aber von der Strategie, wie die Firma in die Gewinnzone kommen will, nicht so recht überzeugt: Der Kurs der T-Online-Aktie ging am heutigen Donnerstag bis zum frühen Nachmittag um 5 Prozent auf 10,25 Euro zurück. (jk)