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TETRA sichert Olympia

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Motorola, Siemens und Science Applications International Corporation (SAIC) haben den Zuschlag erhalten, das BOS-Netz (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) für die olympischen Spiele in Athen zu errichten. Das Funknetz für die griechischen Blaulicht- und Sicherheitsbehörden soll vor dem Beginn der Sommerspiele bereits im April 2004 voll funktionsfähig arbeiten, teilte Motorola mit. Technisch basiert das Funknetz auf dem TETRA-Standard (Terrestrial Trunked Radio) eines digitalen Funknetzes mit integrierter Fähigkeit zur IP-Kommunikation der angeschlossenen Terminals. Mit der Vergabe des Auftrags an das TETRA-Bieterkonsortium entschieden sich die griechischen Behörden gegen das konkurrierende TETRAPOL-System, das zuletzt mit dem Aufbau des Sicherheitsfunks am Frankfurter Flughafen punkten konnte. Das über 25 Millionen Dollar teure olympische Funknetz für rund 22.000 Sicherheitskräfte, Krankentransporte und Feuerwehren ist mit einem 10-jährigen Wartungsvertrag abgesichert, womit die landesweite Einführung von TETRA in Griechenland nach Ansicht von Beobachtern beschlossene Sache ist.

Anbieter von BOS-Systemen hoffen auf eine ähnliche Signalwirkung, wenn die Planungen zur Fußball-WM in Deutschland 2006 konkreter werden. Kurz vor Weihnachten hatte die deutsche Innenminister-Konferenz zwar die "Dachvereinbarung über die Einführung eines bundesweiten Digitalfunksystems" zum Weltkickertreffen abgesegnet, doch sich noch nicht entschieden, ob dem TETRA- oder dem TETRAPOL-System der Zuschlag erteilt wird. Zur Debatte steht außerdem noch ein Vorschlag von Vodafone, ein BOS-System als geschlossene Benutzergruppe mit Notfall-Priorität im herkömmlichen GSM-Netz zu realisieren. Als Überbleibsel aus einem erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekt existiert im Raum Aachen bereits ein TETRA-System.

Für Motorola, das seine TETRA-Komponenten in einem Werk bei Berlin fertigt, ist der Auftrag aus Griechenland hoch willkommen. Im November hatte die Firma bekannt gegeben, beim Aufbau von BOS-Netzen in Deutschland mit T-Systems zu kooperieren. Aufträge, die aus dieser Kooperation entsprungen sind, wurden bislang jedoch nicht gemeldet. Die Ausrüstung von Olympischen Spielen hat bei Motorola Tradition: Die Sommerspiele in München, Los Angeles und Atlanta sowie die Winterspiele von Sarajevo, Calgary, Lillehammer und Salt Lake City wurden mit analoger Motorola-Technik gesichert. Die Ausrüstung mit digitaler Funktechnik und die Ablösung von hoffnungslos überalterten Funkanalagen bei den Sicherheitsbehörden gilt allgemein als Muss. Nach Angaben des Verbandes Professioneller Mobilfunk könnte ein Digitalfunk dem Bund, den Ländern und den Polizeibehörden helfen, täglich 5 Millionen Euro einzusparen. (Detlef Borchers) / (jk)