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TK-Marktstudie: Gigabit-Gesellschaft ist ein "Jahrzehntprojekt"

Der VATM hat seine jährliche Marktstudie vorgestellt. Die Nachfrage nach Breitband wächst, vor allem im Mobilfunk – doch der weitere Ausbau bleibt eine Aufgabe.

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Missing Link: Der Kampf um die Glasfaser, oder: Der verpasste Breitbandausbau in Deutschland

Der Gesamtumsatz der deutschen Telekommunikationsanbieter bleibt 2018 stabil. Das geht aus einer aktuellen Marktanalyse des Verbands VATM und der Unternehmensberatung Dialog Consult hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach wächst der Gesamtumsatz der TK-Anbieter im laufenden Jahr leicht von 59,3 auf 59,4 Milliarden Euro.

Studienleiter Torsten Gerpott macht als Grund der Stagnation im Wesentlichen drei gegenläufige Trends aus: “Ein anhaltender Wettbewerb führt zu Preissenkungen für den Endverbraucher”, sagte Gerpott. “Die Anschlusszahlen steigen bei höheren Bandbreiten und die übertragenen Datenvolumina nehmen zu. Schließlich können Steigerungen bei der Nutzung von Datendiensten preislich nicht immer komplett an die Kunden weitergegeben werden.”

Trotz der stagnierenden Umsätze investieren die Unternehmen weiter in Infrastruktur. Dabei liegen Telekom und alle Wettbewerber zusammengenommen etwa gleich auf. Das Ziel der Bundesregierung, bis Ende 2018 flächendeckend 100 MBit/s verfügbar zu machen, “werden wir mit Sicherheit nicht erreichen”, meint Gerpott. “Aber das ist ja nichts Neues.” Auch er Übergang zur Gigabit-Gesellschaft dürfte sich eher langsam vollziehen: “Das ist ein Jahrzehntprojekt”.

Im Festnetz ist die Nachfrage nach Breitbandanschlüssen der treibende Faktor, die vermittelten Gesprächsminuten hingegen sind seit einigen Jahren auf dem absteigenden Ast. Die Zahl der Festnetz-Breitbandanschlüsse steigt um rund 1,1 Million auf 34,3 Millionen (+3,3 Prozent). Hier verzeichnen die Kabelnetzbetreiber Landgewinne, die auf Kosten der Telekom und ihrer Wettbewerber mit hauptsächlich VDSL-Anschlüssen gehen.

Deutscher Telekommunikationsmarkt 2018 (17 Bilder)

Ein wesentlicher Teil des Festnetz-Umsatzes der Telekom entfalle dabei auf Vorleistungen, merkt Gerpott an: “Vor allem infolge der zweiten Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur müssen viele Wettbewerber verstärkt auf Bitstrom-Vorleistungen zurückgreifen.” Bei Zugängen auf Basis eines virtuellen Bitstrom-Zugangs fließen demnach pro Euro Umsatz rund 70 Cent an die Telekom.

Für VATM-Präsident Martin Witt ist daran auch abzulesen, dass der Ex-Monopolist auch nach 20 Jahren Marktliberalisierung im Festnetz noch eine beherrschende Stellung hat. “Die Vectoring-Entscheidung zugunsten der Telekom hat die Abhängigkeit der Wettbewerber von Vorprodukten der Telekom erhöht“, meint Witt, will den Blick jetzt aber nach vorne richten: "Der Ausbau von 5G und dem Gigabit-Festnetz gehören zu dem komplexesten Vorhaben, die wir in den letzten Jahren auf den Weg bringen mussten. 2019 muss das Jahr der guten Ideen werden.“

Etwa 3,4 Millionen Haushalte werden Ende 2018 direkt an Glasfasernetze angeschlossen sein, das sind immerhin 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Allerdings hängt die Nachfrage hier noch hinterher. Nur eine Million dieser angeschlossenen Haushalte hat 2018 auch einen FTTH/FTTB-Anschluss gebucht. Davon sind nur 10 Prozent bei der Telekom geschaltet. “Die Wettbewerbsunternehmen haben mehr echte Glasfaser-Kunden als die Telekom hier FTTB/H-Anschlüsse besitzt”, sagt Gerpott.

Während sich die anfallenden Datenmengen im Festnetz langsamer entwickeln als von vielen erwartet (+8 Prozent auf rund 90 Gigabyte pro Anschluss und Monat), legen die Volumen im Mobilfunkmarkt deutlicher zu. Gut die Hälfte des Gesamtumsatzes im Mobilfunkmarkt von 26,6 Milliarden Euro entfallen auf Datendienste. Bei einem Gesamtvolumen von 2,5 Milliarden GByte in den deutschen Mobilfunknetzen für 2018 entfallen auf jede aktive SIM-Karte rund 1,6 GByte im Monat – das ist fast doppelt soviel wie 2017. In den drei deutschen Netzen funken insgesamt knapp 133 Millionen SIM-Karten. (vbr)

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