Menü

TV-Plattform Horizon: Unitymedia will Fernseh- und Online-Inhalte nahtlos integrieren

vorlesen Drucken Kommentare lesen 52 Beiträge

Pünktlich zur Internationalen Funkausstellung bietet der Kabelanbieter Unitymedia KabelBW seine neue TV-Plattform Horizon in Deutschland an. Ab Mittwoch können Kunden in Nordrhein-Westfalen und Hessen die neuen Empfänger ordern, die den Zugriff auf TV- und Online-Inhalte gleichzeitig ermöglichen. Wermutstropfen dabei: Auf die Online-Mediatheken der meisten deutschen Sender müssen die Kunden vorerst verzichten.

Die schwarze Horizon-Box ist HD-Recorder und Internetrouter in einem.

(Bild: Torsten Kleinz)

Der Horizon-HD-Recorder vereint Internetrouter, Telefonanlage und digitalen Videorekorder. Bei den TV-Funktionen hat der Kabel-Konzern nicht gespart: Gleich sechs DVB-C-Tuner sind in dem von Samsung gefertigten Gerät verbaut. Die können gleichzeitig vier Programme auf der 500 Gigabyte fassenden Festplatte aufzeichnen. Da zwei Tuner für das Live-Fernsehen im Einsatz sind, wurde die zum Umschalten notwendige Zeit wesentlich reduziert. Gleichzeitig bietet die Box Zugang zu der Online-Videothek des Kabel-Anbieters, die zunächst aber nur 6000 Filme umfasst.

Mit der Plattform will sich der KabelTV-Anbieter als zentraler Lieferant für alle Video-Inhalte anbieten und konkurriert so mit zahlreichen anderen Anbietern wie zum Beispiel Microsoft oder Intel, die jeweils mit ihren eigenen Plattformen die Vorherrschaft auf dem TV-Bildschirm erobern wollen.

Bisher sind nur wenige Apps für Horizon verfügbar.

(Bild: Torsten Kleinz)

Unitymedia KabelBW will hier mit der nahtlosen Integration von Fernseh- und Online-Inhalten sowie Komfortinhalten punkten: So erfasst die Box auf Wunsch, welche Sendungen ein Zuschauer ansieht und gibt aufgrund der registrierten Vorlieben neue Empfehlungen aus dem Live-Programm oder der Online-Videothek. Horizon-Nutzer können ähnlich wie bei Sky Go das Live-Programm auch auf anderen Endgeräten wie iPads oder PCs ansehen. Eine App für Android soll noch in diesem Jahr folgen.

HbbTV, das von den meisten Sendern verwendete Format zur Einbindung von Online-Inhalten, unterstützt Horizon nicht. Zu wenige Kunden fragten diese Funktion nach, begründete das Unternehmen zur Produktvorstellung in Köln. Zudem werde die einfache Bedienoberfläche bei HbbTV durchbrochen, weil jeder Sender bei dem Standard seine eigene Oberfläche anbietet. Um unter HbbTV auf die Mediathek der ARD zuzugreifen, muss der Zuschauer zunächst einen ARD-Sender einschalten. Dies ist jedoch mit dem Bedienkonzept von Horizon kaum vereinbar.

Horizon bietet Streams auf das iPad an, eine Android-Version soll folgen.

(Bild: Torsten Kleinz)

Damit verzichtet Unitymedia KabelBW aber auf den Zugang zu den meisten deutschen Online-Mediatheken – allein Online-Inhalte von ProSiebenSat1 und einigen kleineren Anbietern sind in das Menü der Set-Top-Box integriert. Wer aber zum Beispiel die aktuelle Ausgabe der Tagesschau online sehen will, kann sie sich allenfalls mühsam über die integrierte YouTube-App heraussuchen. Inhalte der Mediatheken selbst bleiben außen vor. Lutz Schüler, CEO von Unitymedia KabelBW, erklärte, er verhandle mit den TV-Sendern, um deren Online-Inhalte in Horizon zu integrieren. Auch könne HbbTV möglicherweise nachgerüstet werden.

Unitymedia KabelBW bietet den Horizon-HD-Recorder für 8 Euro Monatsmiete an, später soll er monatlich 10 Euro kosten. Hinzu kommen 50 Euro Aktivierungsgebühr. Eine abgespeckte Version ohne Aufzeichnungsfunktion, der Horizon-HD-Receiver, kostet zunächst 5 Euro pro Monat, später 7 Euro. Kunden können die Geräte bis Ende Oktober auch zu Einführungspreisen von 299 Euro für den HD-Recorder und 199 Euro für den HD-Receiver kaufen. (anw)