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Talanx bestätigt Mitarbeiter-Bespitzelungen bei Gerling

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Erneut muss ein bekanntes deutsches Unternehmen einräumen, eigene Mitarbeiter bespitzelt zu haben. Nach der Schwarz-Unternehmensgruppe (Lidl), der Telekom und der Lufthansa geht es diesmal um den Versicherungskonzern Gerling, der inzwischen Teil der hannoverschen Talanx-Gruppe ist. Talanx bestätigte (PDF-Datei) am heutigen Montag einen Bericht der Financial Times Deutschland (FTD), wonach Gerling im Jahr 2004 zehn Tage lang Telefonverbindungen und E-Mail-Kontakte von Mitarbeitern überwachen ließ.

Ähnlich wie im Fall Telekom wird als Grund für die Bespitzelungen die Weitergabe von vertraulichen Informationen an Journalisten angegeben. Das Wirtschaftsmagazin Capital hatte (wie andere Zeitungen und Magazine auch) seinerzeit über die Kürzung von Betriebsrenten beim wirtschaftlich angeschlagenen Gerling-Konzern berichtet. Weil die Konzernleitung unter Björn Jansli vermutete, die "streng vertraulichen Betriebsinterna" seien von Gerling-Mitarbeitern weitergegeben worden, ordnete sie eine zehntägige Überwachung des dienstlichen Telefon- und E-Mail-Verkehrs an.

Wie zuvor auch bei der Telekom, heißt es, Inhalte von Telefonaten und E-Mails der betroffenen Mitarbeiter seien aber nicht belauscht worden. Talanx erklärte, eine mit der Untersuchung der Vorgänge bei Gerling betraute Anwaltskanzlei habe festgestellt, der Zugriff auf die Verbindungsdaten sei durch § 100 Absatz 3 des Telekommunikationsgesetzes gedeckt gewesen. Dort sei festgelegt, dass ein Diensteanbieter bei Anhaltspunkten für eine rechtswidrige Nutzung der Netze Bestandsdaten erheben und verwenden darf.

Die Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen sei eine solche rechtswidrige Nutzung, meint Talanx. Rechtliche Schritte gegen handelnde Personen will der Konzern nicht einleiten. Erfolgreich soll die Aktion im Übrigen nicht gewesen sein – und betroffenen Mitarbeitern soll Talanx bisher auch nicht mitgeteilt haben, dass ihre Telefon- und E-Mail-Daten kontrolliert wurden. Ein Talanx-Sprecher gab gegenüber der FTD an, dass man nicht ausschließen könne, "dass es mehrere Fälle gegeben hat". Talanx-Chef Herbert Haas erklärte, auch wenn die Nachforschungen des damaligen Gerling-Managements juristisch zulässig gewesen seien, "halten wir solche Untersuchungen für kein geeignetes Mittel." (pmz)

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