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Talos IV wird zum Wendepunkt für Star Trek Discovery

Star Trek Discovery legt seine Berührungsängste mit dem Stoff der Kirk-Serie ab. ACHTUNG: Der Text enthält Spoiler zur 8. Folge der aktuellen Discovery-Staffel!

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Talos IV wird zum Wendepunkt für Star Trek Discovery

Die Discovery-Folge "Gedächtniskraft" ist wohl schon jetzt ein Meilenstein der Star-Trek-Geschichte.

(Bild: StarTrek.com )

Seit der ersten Folge von Star Trek Discovery ringt die Serie mit ihrem Setting. Zeitlich zwischen der ersten Trek-Folge überhaupt (dem gescheiterten Original-Serien-Pilotfilm "The Cage") und Captain Kirks Fünf-Jahres-Mission angesiedelt, macht Discovery es dem Zuschauer schwer sich vorzustellen, wie genau die Geschichte in das bekannte Trek-Universum passen soll. Die seit Freitag auf Netflix verfügbare Folge "Gedächtniskraft" macht nun zum ersten Mal klar, wie die Macher der Serie sich aus diesem Dilemma herausschreiben wollen.

Folge 8 der zweiten Staffel belegt eindeutig, dass Discovery in Kirks Zeitlinie spielt und dass es sich, im Gegensatz zu den neuesten Kinofilmen unter der Regie von J.J. Abrams, nicht um einen Reboot des Franchises handelt. Stattdessen modernisieren die Macher von Discovery das Aussehen von bekannten Figuren, Requisiten und Orten und lassen, bisher, die Zeitlinie unangetastet. In einem Paralleluniversum scheint die Handlung der zweiten Staffel bisher auch nicht angesiedelt.

Es ist eine Sache zu wissen, dass die Produzenten von Anfang an ein solches Vorgehen angekündigt hatten. Etwas ganz anderes ist es, zu sehen, wie sie es umsetzen. "Gedächtniskraft" beginnt mit Ausschnitten aus "The Cage" – des vom Sender NBC abgelehnten Star-Trek-Pilotfilms von 1965 – wir sehen Leonard Nimoy als Spock, Majel Barrett in ihrer ersten Star-Trek-Rolle als Nummer Eins und Jeffrey Hunter als Captain Pike. Wir sehen den Planeten Talos IV und dessen Flora, die einprägsamen musizierenden blauen Blumen. Der Rückblick endet mit einer direkten Überblendung von Jeffrey Hunters Gesicht auf das von Anson Mount. Deutlicher kann man es dem Zuschauer nicht machen: Ihr schaut ihr kein Reboot, das ist ein und derselbe Captain Pike.

Talos IV: 1965 und 2019

(Bild: CBS)

Obwohl der von Gene Rodenberry höchstpersönlich geschriebene Star-Trek-Pilotfilm fast dazu geführt hätte, dass Star Trek nie ins Fernsehen gekommen wäre, so hatte "The Cage" doch einen sehr großen Einfluss auf die darauffolgende Serie mit Captain Kirk. Umgearbeitet in die Doppelfolge "Talos IV – Tabu" der ersten Staffel, etabliert die Geschichte viel von der Vorgeschichte der Enterprise und der Freundschaft zwischen James T. Kirk und Mister Spock. Die Neuerschaffung der Talosianer, ihres Planeten und der menschlichen Einwohnerin Vina als Teil der Folge "Gedächtniskraft" bedeutet allerdings noch viel mehr für die neueste Star-Trek-Serie Discovery. Wem beim ersten Anblick des Materials aus "The Cage" direkt nach dem Netflix-Logo nicht der Atem stockt, der kann sich wohl kaum als ernstzunehmender Star-Trek-Fan bezeichnen.

Die Talosianer und ihr Tabu-Planet sind in der Discovery-Umsetzung äußerst gelungen ins moderne Fernsehen transportiert worden. Allerdings kann man darüber streiten, ob Ethan Peck der Rolle als Spock gewachsen ist. Im Gegensatz zu Anson Mount, der Captain Pike um einiges charmanter und entwaffnender verkörpert als sein Vorgänger Hunter, ist Peck der mittlerweile legendären augenzwinkernden Emotionslosigkeit eines Leonard Nimoy nicht ebenbürtig. Immerhin ist es aufregend zu sehen, dass sich die Discovery-Macher nicht mit absurden Zeitreise-Paralleluniversen-Stories versuchen, aus der Verantwortung dem Material der Original-Serie gegenüber herauszureden. Das sollte die meisten Hardcore-Trekkies erfreuen. Es heißt aber wohl auch, dass wir uns jetzt sicher sein können, wo Captain Pikes Reise mit der Discovery endet: im schwebenden Rollstuhl. (fab)