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Tankerkrise: US-Militär hat iranische Militärnetze dauerhaft lahmgelegt

Laut US-Militärquellen hat das iranische Militär sich nach wie vor nicht von einem amerikanischen Cyberangriff im Juni erholt.

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Mehrere Übergriffe auf Öltanker (hier ein Symbolbild) hatten die neue Golfkrise ausgelöst.

(Bild: Pixabay )

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Im Zuge des Konfliktes zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran über Öltransporte im Persischen Golf hat das US-amerikanische Militär nun Details eines Hackerangriffs gegen die paramilitärische Revolutionsgarde im Juni bekanntgegeben. Bereits kurz nach dem Hackerangriff hatte das US-Militär zugegeben, den Angriff durchgeführt zu haben. Das an sich ist ein eher ungewöhnlicher Schritt, da Cyberangriffe bei Staaten eigentlich genau deswegen ein beliebtes Mittel sind, weil der Urheber oft schwer zu beweisen ist und sie sich deswegen hervorragend leugnen lassen. Die Vereinigten Staaten scheinen im aktuellen Konflikt einen anderen Weg einschlagen zu wollen.

Berichten zufolge hat das US-Militär nun Details bekanntgegeben, weil es in den USA vielerorts Kritik an dem Angriff gegeben hatte – auch in den eigenen Reihen des Militärapparates. Kritiker warfen der Regierung vor, mit dem Angriff wichtige Ressourcen verbrannt zu haben. Ihrer Ansicht nach hätte man den Zugang zu den iranischen Militärnetzen weitaus effektiver zum Ausspionieren des Gegners nutzen können. Wie die jetzt gegenüber der New York Times betonen, hätte der Angriff allerdings die Möglichkeiten des Iran, weitere Tanker in der Straße von Hormus festzusetzen, stark eingeschränkt. Der Angriff sei es wert gewesen, so das Fazit der in der Times zitierten Militärquellen.

"Wir müssen sicherstellen, dass unser Gegner eine Nachricht versteht: Die Vereinigten Staaten haben riesige Möglichkeiten und der Gegner kann sich nie erhoffen, damit gleichzuziehen – es wäre besser für alle Beteiligten, wenn die einfach mit ihren aggressiven Aktionen aufhören", sagte ein ehemaliger hochrangiger Spionage-Offizier gegenüber der New York Times. Das kann als direkte Nachricht des US-Militärs an die iranische Führung verstanden werden. Solche ehemaligen Mitglieder des Geheimdienstapparates werden auf Grund ihrer guten Beziehungen zu ehemaligen Kollegen von denen gerne als halboffizielles Sprachrohr gegenüber den Medien eingesetzt. Laut den Quellen der Times war das Ziel des Hackerangriffs, das Verhalten der iranischen Führung zu ändern, ohne den weitläufig als Tankerkrise bezeichneten Konflikt weiter zu eskalieren oder den Iran zu Gegenschlägen zu provozieren.

Bei dem Hackerangriff wurde nach US-Militärangaben eine Datenbank gelöscht, mit deren Hilfe die Regierung in Teheran entschieden hatte, welche Tanker zu welchem Zeitpunkt anzugreifen. Laut den Militärquellen hat sich die Revolutionsgarde nach wie vor nicht von dem Angriff erholt. Man versuche dort nach wie vor, wichtige Kommunikationssysteme zu reparieren und die beim Angriff gelöschten Daten wiederherzustellen. Luftwaffen-Einrichtungen und Raketensysteme seien bei dem Hackerangriff nicht unter den Zielen gewesen.

US-Präsident Trump hatte im Juni zunächst befohlen, den Verlust einer US-Spionagedrohne durch einen klassischen Militärschlag auf iranische Radar- und Artillerie-Einrichtungen zu vergelten. Das US-Militär plante dementsprechend einen Angriff, doch kurz vor der geplanten Gewalteinwirkung zog Trump die Genehmigung zurück. Trump befahl dem US Cyber Command stattdessen, den Hackerangriff durchzuführen. Bei dem sollen Computer außer Betrieb genommen worden sein, mit denen Raketen und Marschflugkörper gesteuert werden. Der Hackerangriff sei zu diesem Zeitpunkt vom Militär bereits lange vorbereitet worden. Die Aktion wurde dem Präsidenten demnach bereits nach dem ersten Übergriff des Iran auf einen Öltanker vorgeschlagen. (fab)