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Technology Review

Tastatur-Bakterien als Erkennungsmerkmal

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Nicht nur unser eigenes Erbgut ist einzigartig. Auch das Genprofil der Bakterien, die sich auf unserer Haut befinden und die wir ständig auf Objekte, die wir berühren, übertragen, ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Forscher an der University of Colorado in Boulder wollen diese Tatsache nun ausnutzen, um ein neues forensisches Werkzeug zu schaffen: Den Wissenschaftlern Noah Fierer, Rob Knight und ihren Kollegen gelang es bereits, Mikroorganismen von den Computertastaturen dreier Versuchspersonen zu sichern und diese anschließend korrekt zuzuordnen, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Dazu nutzen sie mehrere Proben, um die individuellen Spezies der enthaltenen Mikroorganismen zu bestimmen. Dabei sequenzierten sie eine große Anzahl von Bakterien-DNA in einem Rutsch.

Aktuell sei die Technik noch in einem sehr frühen Stadium, räumt Fierer ein. Er rechnet aber damit, dass sie in einigen Jahren ähnlich akkurat sein könnte wie ein genetischer Fingerabdruck. Die Idee einer mikrobiellen "Signatur" zur Unterscheidung einzelner Personen sei nicht neu, meint David Relman, Professor für Medizin, Mikrobiologie und Immunologie an der Stanford University. Schon seit mehreren Jahrzehnten stellten sich Forscher die Frage, ob es möglich sei, einen Täter über einen ganz bestimmten E. coli-Stamm in seinem Körper aufzuspüren. Bis vor kurzem sei das jedoch technisch wie methodisch kaum umzusetzen gewesen.

Seit wenigen Jahren sorgen nun schnellere und billigere Sequenzierungsmaschinen dafür, dass breit angelegte Studien an den verschiedenen Kolonien von Mikroorganismen im menschlichen Körper möglich sind. Wissenschaftler entwickelten eine Art DNA-"Barcode", der es erlaubt, durch charakteristische Erbgutbestandteile einzelne Spezies zu unterscheiden. "Vor drei Jahren war das schlicht noch nicht möglich", sagt Lance Price, Direktor des Zentrums für Metagenomik am Translational Genomics Research Institute in Arizona.

Eine Handvoll Studien innerhalb des Human Microbiome Project haben gezeigt, dass die Zusammensetzung der Mikroorganismen auf der Haut sich von Person zu Person stark unterscheiden kann – und selbst von Körperstelle zu Körperstelle. Die University of Colorado-Forscher hätten nun demonstriert, dass selbst die Überbleibsel dieser Lebewesen, die durch Berührungen übertragen werden, einzigartig sein könnten, sagt Experte Relman.

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(bsc)