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TeX Live 2010 veröffentlicht

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Die TeX Users Group hat am heutigen Freitag die Distribution TeX Live 2010 des freien Textsatzsystems TeX veröffentlicht. Derzeit wird das etwa 2 GByte große ISO-Image auf die Spiegelserver des Comprehensive TeX Archive Network CTAN verteilt, für die Installation stehen aber auch Net-Installer bereit. Debian-basierte Linux-Distributionen erhalten eigene Pakete, die demnächst verfügbar sein werden. Außerdem wird TeX Live weiterhin auf DVD veröffentlicht, die voraussichtlich ab Oktober im Buchhandel erhältlich ist. Die TeX-Anwendervereinigungen – im deutschsprachigen Raum DANTE e.V. – verteilen die DVD kostenfrei an ihre Mitglieder.

TeX Live unterstützt Microsoft Windows ab Version 2000, wobei die 32-Bit-Binaries der TeX-Distribution auch auf 64-Bit-Systemen lauffähig sein sollen. FreeBSD ist wieder in die Liste der unterstützten Plattformen aufgenommen worden, außerdem werden erstmals die 32- und 64-Bit Varianten von GNU/kFreeBSD sowie Solaris unterstützt. Zudem lässt sich TeX Live neuerdings auch unter Darwin-64 nutzen, doch für Mac-Anhänger interessanter sein dürfte das ausschließlich für Mac OS X zusammengestellte Metapackage MacTeX mit seinen zusätzlichen Hilfsprogramme und Anpassungen. Es wurde ebenfalls am heutigen Freitag veröffentlicht, die aktuelle Version hat eine Größe von rund 1,6 GByte.

TeX Live ist die umfangreichste Distribution des freien Textsatzsystems, da es nicht nur fast alle derzeit verfügbaren Pakete für TeX enthält sondern auch die Makrosprachen LaTeX und ConTeXt sowie die Anwendungen Metafont, MetaPost, BibTeX und LuaTeX. Bei den Neuerungen ist hervorzuheben, dass pdfTeX jetzt Grafiken, die im Format Encapsulated PostScript (EPS) vorliegen, automatisch nach PDF umsetzen kann, und zwar mithilfe des Pakets epstopdf. Außerdem ist nun die TeX-Primitive \write18 beim Aufruf einiger Programme standardmäßig aktiviert – etwa bei repstopdf, beim Index-Prozessor Makeindex sowie bei der Literaturverwaltung BibTeX. Die Liste der Programme ist in der Datei texmf.cnf anpassbar. Eigentlich war dieses Feature bereits in der Vorjahresversion vorgesehen, musste dann aber aus Gründen der Datensicherheit kurzfristig zurückgestellt werden. Um diese Probleme zu lösen, werden TeX, BibTeX und Makeindex standardmäßig nun so konfiguriert, dass sie ihre Ausgabe nicht mehr in beliebige Verzeichnisse schreiben können.

Auch XeTeX unterstützt in Verbindung mit einer neuen Version des Pakets microtype den sogenannten optischen Randausgleich, der für ein besonders gleichmäßiges Schriftbild der Seitenränder sorgt. Allerdings steht die Schriftstärkenveränderung (font expansion), die auf Arbeiten des Typographen Hermann Zapf zurückgeht und den einheitlichen Grauwert der gesetzten Seite verbessern soll, weiterhin nur für pdfTeX und LuaTeX zur Verfügung.

Der TeX Live Manager tlmgr erstellt in der aktuellen Version standardmäßig ein Backup des alten Pakets, bevor ein Update durchgeführt wird. So kann man leicht zum alten Stand zurückkehren, sollte beim Aktualisieren der Distribution ein Fehler aufgetreten sein.

TeX Live 2010 enthält auch einige Programme, die vorher nicht in der Distribution enthalten waren. pTeX und einige Hilfsprogramme erleichtern etwas das Setzen japanischer Schriftzeichen und BibTeXu – eine Reimplementierung von BibTeX – verarbeitet nun auch in Unicode vorliegende Literaturverzeichnisse. Außerdem lassen sich jetzt Syntaxfehler in LaTeX-Dokumenten mithilfe von ChkTeX aufspüren oder DVI-Dateien mit dem Konverter dvisvgm in das Grafikformat SVG umsetzen. (Dr. Jürgen Fenn) / (hps)

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