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Technik-Blog Engadget schaltet Kommentare ab – auf Probe

Das Technik-Blog Engadget schaltet seine Kommentarfunktion ab. Der Ankündigung zufolge soll die Schließung nur sieben Tage dauern. In dieser Zeit wollen die Betreiber darüber nachdenken, wie sich die Qualität der Kommentare verbessern lässt.

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Engadget schließt Kommentare

(Bild: Trollschild von Fons Reijsbergen)

Am Freitag hat Engadget seine Kommentarfunktion abgeschaltet – für eine Woche, wie es offiziell heißt. Als Gründe nennt die Redaktion einerseits Schwierigkeiten bei der Umstellung des Kommentarsystems im September 2015 auf selbstentwickelte Software. Hauptgrund sei jedoch die Verrohung der Sitten unter den Kommentatoren, begründet Community Content Editor Amber Bouman die Entscheidung.

Unter Beiträgen zu den Themen Mobbing und Belästigung, Geschlechterrollen und Rassismus sollen Hassbotschaften und Drohungen derart überhand genommen haben, dass Moderatoren die Kommentarfunktion für diese Artikel abschalten mussten. Kommentare zu Meldungen über Android oder iOS würden regelmäßig zu Glaubenskriegen eskalieren, bei denen Anhänger der jeweiligen Lager einander und die Redakteure wüst beschimpfen.

Zensurvorwürfen begegnet Amber Bouman mit einem Verweis darauf, dass sich Artikel ja weiterhin auf Facebook und Twitter kommentieren ließen. Es gehe auch nicht darum, kritischen Stimmen den Mund zu verbieten. Für tiefergehende Kommentare bleibe weiterhin die Rubrik "Public Access" bestehen, die Artikel von Lesern veröffentlicht.

In der siebentägigen Pause will Engadget sein Kommentarsystem überdenken und überarbeiten: Wenn man andauernd mit Moderationsaufgaben beschäftigt werde, bleibe keine Zeit, das System tatsächlich zu verbessern.

Engadget ist nicht das einzige Online-Medium, das sich mit seinen Lesern schwer tut. Bei einer Umfrage des Fachmagazins "Der Journalist" gaben zahlreiche deutsche Redaktionen an, ihre Kommentarmöglichkeiten eingeschränkt zu haben. 8 der 66 Redaktionen lassen überhaupt keine Kommentare zu, 27 haben die Kommentarfunktion in den letzten zwölf Monaten eingeschränkt. Auch hier waren Beleidigungen und radikale Äußerungen der Auslöser.

Auch Medien, die weiterhin Kommentare bereitstellen, suchen nach Lösungen für das Problem: Im Februar versuchte etwa die Schleswig-Hosteinische Zeitung, der Hasslawine und Trollschwemme mit einem Zwang zu Realnamen zu begegnen. Die zunächst geplante Umsetzung dieser Richtlinie stand aber auf datenschutzrechtlich wackeligen Füßen. (ghi)

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