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Technische Organisationen befürchten Behinderungen durch Trumps Einreise-Bann

Das Trumpsche Einreiseverbot trifft auch die technische Community. Einzelne Organisationen denken bereits über die Verlegung großer Konferenzen nach.

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Donald Trump

(Bild: dpa, Shawn Thew)

Die Association for Computing Machinery (ACM), die International Association for Cryptologic Research (IACR), die Internet Society (ISOC) und nun auch der scheidende Vorsitzende der Internet Engineering Task Force (IETF), Jari Arkko, melden Kritik an den Trumpschen Einreiseverboten für sieben Nationalitäten an. Die Berichte Betroffener mehren sich und die Organisationen befürchten, dass die für ihre Arbeit notwendige Internationalität und Offenheit durch Trumps Politik leidet.

Die ACM forderte unmittelbar nach Trumps Ankündigung, die Visabeschränkungen noch vor der 90-Tage-Frist aufzuheben, "damit die Arbeiten und Beiträge von Wissenschaftlern und Forschern nicht behindert werden". Reisefreiheit, Versammlungsfreiheit, Meinungs- und Informationsfreiheit seien für wissenschaftliche Arbeit notwendig. Die IACR meldete, sie widerspreche Trumps präsidialer Anordnung aufs schärfste. "Solche Aktionen, die die internationale Zusammenarbeit verhindern, gefährden konkret und direkt unsere Mission.“ Dem allgemeinen Aufruf namhafter US-Wissenschaftler, gegen die Einreiseverbote zu unterschreiben, sind inzwischen schon knapp 18.000 Forscher gefolgt.

Für die großen Konferenzen von Wissenschaftlern oder Ingenieuren könnten fortgesetzte Einreiseerschwernisse erhebliche Probleme mit sich bringen. Weniger Internationalität bedeuten letztlich nicht nur weniger Ideenaustausch und Prestige, sondern auch weniger Teilnehmer- und Mitgliedsbeiträge.

Auf diese Effekte hat die Standardisierungsorganisation IETF in den vergangenen Jahren bereits reagiert, indem mehr und mehr Konferenzen nicht in den USA, sondern im benachbarten Kanada abgehalten wurden. Auch bei der IETF wurde Trumps Ankündigung heftig diskutiert. Manche Ingenieure empfahlen, bei einem Fortbestehen der Reiseverbote die USA als Konferenzort gänzlich zu meiden. Die erste IETF-Konferenz 2017 in Chicago lässt sich zwar nicht mehr verlegen. Anders sieht es für eine 2018 in San Francisco geplante aus, mahnte der IETF Vorsitzende Arkko nach der Diskussion.

In der Standardisierungsorganisation wird ohnehin gerade an einem Prozedere gefeilt, wie künftig Konferenzorte vermieden werden können, die Einschränkungen für die Teilnehmer aus aller Welt bringen. Arkko schätzte die Konsequenzen der Trumpschen Politik zwar vorerst einmal als klein ein. Allerdings meldeten sich postwendend mehrere direkt Betroffene mit Doppelpässen zu Wort, darunter der langjährige IETF-Teilnehmer Naeem Khademi und Zensurforscher und ISOC-Treuhänder Walid Al-Saquaf.

Am Wochenende bereits in Amsterdam hängengeblieben war auch Kaveh Ranjbar, Chief Information Officer des RIPE mit niederländischem und iranischem Pass. Er war zu einer ICANN-Vorstandssitzung in Los Angeles diese Woche erwartet worden. Die IETF in Chicago werde er wohl auch streichen müssen, so seine Schlussfolgerung auf Facebook. (axk)