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Technische Panne schafft vorübergehend Medienfreiheit im Iran

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Facebook und Twitter waren am Montagabend im Iran frei zugänglich. Der Begeisterung der iranischen Nutzer folgte aber schnell die Ernüchterung. Der freie Zugang sei durch technische Probleme verursacht worden, sagte Abdolsamad Khorramabadi der iranischen Nachrichtenagentur Mehr. Er ist Vorsitzender des "Arbeitskreises zur Bestimmung krimineller Inhalte", wie sich die für Internetzensur verantwortliche Behörde im Iran offiziell nennt. Khorramabadi warnte die Internetprovider davor, sich über die gesetzlichen Bestimmungen hinwegzusetzen. Der Vorfall werde zur Zeit untersucht.

Manche iranische Nutzer konnten nur über ihr Smartphone frei auf Facebook und Twitter zugreifen. Andere berichteten, dass der Zugang für die Kunden des staatlichen Telekommunikationsunternehmens weiterhin nicht uneingeschränkt war, während Kunden anderer iranischer Internetanbieter die gesperrten Websites aufrufen konnten.

Die sozialen Netzwerke, die für den iranischen Staat als ausländische Spionagemittel gelten, sind für die Nutzer im Iran nur über Proxy- oder VPN-Server erreichbar. Insbesondere seit den Protesten nach der Präsidentschaftswahl 2009 sind Facebook und Twitter den Machthabern in Teheran ein Dorn im Auge. Damals hatten viele oppositionelle Iraner die Netzwerke genutzt, um auf die Proteste aufmerksam zu machen und sich Öffentlichkeit zu verschaffen.

Mit dem Amtsantritt des neuen, moderateren Präsidenten Hasan Rohani im August mehrten sich Hoffnungen, das Land werde sich öffnen. Sie wurden auch damit genährt, dass einige Minister und Vertreter der neuen Regierung auf Facebook und Twitter aktiv sind. Vor diesem Hintergrund ist die Begeisterung der iranischen Internetnutzer am Montag zu erklären; solche technischen Pannen hat es bereits früher gegeben, ohne großes Aufsehen zu erregen. (anw)

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