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Teenager nach virtuellem Diebstahl verhaftet

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Eigentlich ist das Habbo-Hotel so eine Art Jugendherberge. Die von der finnischen Firma Sulake betriebene Online-Community ist virtueller Spielplatz für ein zumeist jugendliches Publikum. Die Avatare, 80 Millionen sollen es nach Betreiberangaben sein, bewohnen kleine Zimmer im Habbo-Hotel. Damit sich die putzigen Computerfiguren darin auch wohlfühlen, gibt es hübsche Einrichtungsgegenstände. Für die muss der Gast – sechs Millionen Besucher soll das Hotel im Monat haben – echtes Geld hinblättern.

Ein paar holländische Teenies haben offenbar einen anderen Weg gewählt: Sie haben – so lautet der Vorwurf – ihre Möbel einfach aus anderen Zimmern geklaut. Dazu soll sich der 17-jährige Rädelsführer mit Phishing-Methoden Zugang zu anderen Habbo-Accounts verschafft haben und die Möbel der nichtsahnenden Besitzer einfach in die Zimmer seiner Komplizen getragen haben. In der vergangenen Woche wurde der Teenager vorübergehend verhaftet und von der Polizei vernommen. Der Tatvorwurf: Diebstahl. Den Schaden gibt Sulake mit 4000 Euro an. Das Unternehmen setzt Berichten zufolge monatlich immerhin vier Millionen Euro mit dem virtuellen Hotelbetrieb um.

Ein Sprecher der Betreiberfirma sagte gegenüber BBC News, es gebe in vielen Ländern immer wieder Versuche, sich Zugang zu fremden Accounts zu verschaffen. Über eine steigende Anzahl von angeblichen Habbo-Websites werde versucht, die Zugangsdaten der Nutzer abzufischen. Dies sei nun der erste Fall, in dem die Polizei aktiv geworden sei. Und zwar nicht die virtuelle Streife, die den Aufenthalt der kleinen Hotelgäste sichern soll, sondern die ganz echte niederländische Politie.

Ähnlichen Streit um – nicht ganz so jugendfreie – Möbel gibt es auch in Second Life. Da diese virtuelle Welt nach Meinung vieler Online-Experten und PR-Strategen kein Spiel ist (und schon gar kein Kindergarten), geht es bei den Erwachsenen auch nicht um ein paar geklaute Betten. In Second Life streiten sich virtuelle Unternehmer um Plagiate, Urheberrechte und Wettbewerbsregeln.

Im Habbo-Fall sind sich die Beobachter einigermaßen einig, dass der virtuelle Diebstahl im echten Leben durchaus justiziabel ist. Allerdings dürfte noch zu klären sein, wem die Möbel im Rechtssinne nun tatsächlich gehören: den Habbo-Bewohnern oder Sulake. (vbr)

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