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Unfälle beim teilautonomen Fahren: Schuld bekommt eher der Mensch

Menschen neigen anscheinend generell dazu, Ursachen für Ereignisse eher anderen Menschen zuzuschreiben als dem Zufall oder der Umwelt.

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Diese Passagierin ist anscheinend nicht teilautonom unterwegs.

(Bild: metamorworks / Shutterstock)

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Wenn während der Fahrt mit einem teilautonomen Fahrzeug sowohl der Mensch als auch die Technik Fehler machen, wer ist dann schuld an einem Unfall? Diese Frage wollten Forscher von 5000 Menschen beantwortet haben. Die Befragten gaben die Schuld eher dem Menschen als der intelligenten Maschine, ergab eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der University of Exeter.

Die Frage, wer bei einem Unfall die Schuld trägt, habe Auswirkungen auf die politischen Maßnahmen, die zur Regulierung dieser Fahrzeuge erforderlich sind, sagt Sydney Levine, Wissenschaftlerin am Media Lab des MIT, laut einem Artikel in Nature. Levine hat zusammen mit einem Forscherteam verschiedene Szenarien entwickelt, in denen teilautonome Fahrzeuge in tödliche Unfälle involviert waren, die den 5000 Propanden präsentiert wurden.

In einigen Szenarien übernimmt der zweite Fahrer fälschlicherweise die Kontrolle über das Fahrzeug und verursacht einen tödlichen Unfall. Die Befragten gaben in diesen Fällen eindeutig dem zweiten Fahrer die Schuld – egal ob er ein Mensch oder eine Maschine war.

In Szenarien, in denen Mensch und Maschine sich die Kontrolle über das Fahrzeug teilten und beide einen Fehler machten, gaben die Befragten eher dem Menschen die Schuld an dem Unfall – unabhängig davon, ob er der erste oder zweite Fahrer war.

Menschen neigen nach Ansicht der Forscher generell dazu, Ursachen für Ereignisse eher anderen Menschen zuzuschreiben als dem Zufall oder der Umwelt. Ein KI-gesteuertes Fahrzeug sei in der Vorstellung der Menschen – bisher – kein eigenständiger Akteur, der handeln und frei entscheiden kann. Deshalb tendierten Menschen dazu, Maschinen von der Schuld freizusprechen.

"Unsere Studienergebnisse lassen vermuten, dass die Öffentlichkeit und vielleicht auch Gerichte dazu tendieren würden, die Technik und somit die Hersteller von der Verantwortung freizusprechen. Die Politik sollte daher frühzeitig Sicherheitsstandards für teilautonome Fahrzeuge vorgeben, um dies zu korrigieren", sagt Iyad Rahwan, Direktor des Forschungsbereichs Mensch und Maschine am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. (anw)