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Teilchenbeschleuniger LHC: Steinmarder unterbricht Suche nach rätselhaftem Teilchen

Der Teilchenbeschleuniger LHC am Kernforschungszentrum CERN wurde von einem Steinmarder lahmgelegt. Damit müssen sich auch die Forscher gedulden, die meinen, einem rätselhaften und unerwarteten neuen Teilchen auf der Spur zu sein.

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Teilchenbeschleuniger LHC: Steinmarder unterbricht Suche nach rätselhaftem Teilchen

Blick in das LHC-Experiment ALICE

(Bild: Mona Schweize, CERN )

Ein Steinmarder hat den weltgrößten Teilchenbeschleuniger LHC lahmgelegt und damit auch die gegenwärtige Suche nach einem rätselhaften neuen Teilchen unterbrochen. Das Tier war in die Anlagen zur Stromversorgung eingedrungen und in einer 66-Kilovolt-Transformator-Anlage von einem Stromschlag getötet worden, wie es in einem Protokoll des CERN heißt. Daraufhin seien alle Anlagen heruntergefahren worden. Die Behebung des Problems und die vollständige Wiederinbetriebnahme des Large Hadron Collider könnten bis Mitte Mai dauern, erklärte ein Sprecher.

Dieser Stromausfall verschiebt auch Antworten auf brennende Fragen, die Teilchenphysiker seit Dezember in Atem halten. Damals hatten CERN-Experimente ATLAS und CMS bei einer Energie von 750 GeV (Gigaelektronenvolt) mehr Photonenpaare gemessen als erwartet, was auf ein neues Teilchen hinweist. Die Signifikanz der Daten liegt auf ähnlichem Niveau wie die derjenigen Messungen, die schlussendlich zum Nachweis des Higgs-Bosons geführt hatten. Der beobachtete Zerfallskanal eines Teilchens mit einer Masse von 750 GeV ins zwei Photonen deutet auf einen deutlich schwereren Bruder des Higgs-Teilchens, den das Standardmodell der Elementarteilchen jedoch nicht erwarten lasst.

Die Resonanz am ATLAS-Detektor

Entsprechend wittern die Forscher eine Physik jenseits des Standardmodells, sodass sich seit Dezember über 300 Paper mit Erklärungsversuchen beschäftigt haben. Vier der Ansätze haben die Physical Review Letters im April veröffentlicht. Sie deuten die 750-GeV-Resonanz als Pion-artiges Boson mit einer neuen Art starker Wechselwirkung, als Vetter des Higgs-Teilchens, der mit neuartigen Fermionen wechselwirkt oder als supersymmetrischer Partner des hypothetischen Goldstino. Die vierte Arbeit geht davon aus, dass es sich bei der Resonanz um kein neues Teilchen, sondern eine Zerfallskaskade mit Photonenpaaren bei 750 GeV handelt. (vza) / (mho)