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TeleMonitoring zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen

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Mit dem Einsatz moderner TeleMonitoring-Systeme, bei denen Sensoren am Körper des Patienten rund um die Uhr lebenswichtige Daten wie Herzschlag und Blutdruck kontrollieren und bei Abweichungen Alarm auslösen, ließen sich die Ausgaben für bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 50 Prozent senken. Das ist die Kernaussage eines Positionspapiers, das der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) heute in Berlin vorlegte.

Als Ursache von nahezu der Hälfte aller Todesfälle stehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor an der Spitze der Volkskrankheiten; rund 1,8 Millionen Menschen leiden in Deutschland daran, weit mehr als an Krebs und Rheuma. Für ihre Behandlung werden im Schnitt mehr als 35 Milliarden Euro jährlich aufgewendet. Laut der VDE-Analyse betragen die durchschnittlichen Gesamtkosten der Therapie einer chronischen Herzinsuffizienz mit telemedizinischer Begleitung bei einer Erfolgsrate von 75 Prozent 3065 Euro; dagegen schlage die Behandlung ohne TeleMonitoring mit 6397 Euro bei einer Erfolgsquote von 59 Prozent zu Buche.

Die vorliegenden Daten zeigen, dass durch den Einsatz der Telemedizin bei chronischer Herzinsuffizienz "die Zahl der Notfalleinsätze, Klinikeinweisungen und Arztbesuche drastisch verringert wird und damit die jährlichen Gesamtkosten für die Betreuung eines einzelnen herzinsuffizienten Patienten auf etwa die Hälfte reduziert werden können", erklärte der Ärztliche Direktor der Personal HealthCare Telemedicine Services GmbH (PHTS), Professor Harald Korb. "Wir sehen, dass etwa 50 Prozent der Notarzteinsätze eigentlich nicht notwendig gewesen wäre."

Umgekehrt werden akute kardiovaskuläre Ereignisse häufig zu spät bemerkt, und das ohnehin kurze Zeitfenster der Behandlung schließt sich vor einer medizinischen Intervention. Rund 30 Prozent der Patienten, die in Deutschland einen Herzinfarkt erleiden, sterben noch vor ihrem Eintreffen in der Klinik, zumal Herzinfarkte gehäuft am Morgen nach dem Aufstehen auftreten. Hier könne TeleMonitoring helfen, die Spanne bis zur Ersthilfe stark zu verkürzen.

Der VDE beziffert das Potenzial zur Einführung von TeleMonitoring-Systemen auf rund 450.000 Patienten pro Jahr. Weil die flächendeckende Einführung der Systeme bisher an der fehlenden Kostenerstattung seitens der Krankenkassen und dem bislang nicht verabschiedeten Präventionsgesetz scheitert, fordert der Verband die zügige Verabschiedung des Gesetzes. Sie sei auch nötig, um die global führende Stellung der deutschen Telemedizin zu erhalten.

Als "große Chance für den Industriestandort Deutschland", bezeichnete Hans-Jürgen Wildau vom Herzschrittmacher-Hersteller Biotronik das TeleMonitoring. Sein Unternehmen betreibt bereits ein System zur telemedizinischen Fernüberwachung, an das nach seinen Angaben derzeit 10.000 Patienten in mehr als 30 Ländern angeschlossen sind – fast die Hälfte davon in Nordamerika. "Der Knackpunkt bei uns ist", so Wildau, "dass wir mehr Akzeptanz bei den Ärzten und Kostenträgern benötigen." Die Patienten hingegen seien mit der höheren Sicherheit und Lebensqualität höchstzufrieden, erklärte PHTS-Direktor Harald Korb unter Bezug auf eine Umfrage mit 1785 Teilnehmern. "Nur weniger als 15 Prozent sahen den Kontakt zu ihrem betreuenden Arzt gestört." (Richard Sietman) / (pmz)