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Telefonbetrug bei der UNO aufgeflogen

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Bei der UN-Mission in Äthiopien und Eritrea (UNMEE) ist ein offenbar systematischer Telefonspesenbetrug aufgeflogen. Missionsangehörige sollen von April bis Dezember 2003 höheren Offizieren PIN-Codes für das Telefonsystem gestohlen und weitergegeben haben. Auf diese Weise wurden Ferngespräche auf fremde Rechnung geführt. Außerdem ließ sich eine Kulanzregelung des Abrechnungsverfahrens exzessiv ausnutzen: Um den Blauhelmen bei Nicht-Erreichen des gewünschten Teilnehmers keine Kosten aufzubürden, wurde bei jeder Verbindung die erste Minute nicht verrechnet. Der Gesamtschaden beläuft sich einem Bericht des OIOS zufolge auf 1,1 Millionen Dollar (rund 854.000 Euro).

Die UNMEE hat 1,4 Millionen Zeilen der Verbindungsaufstellungen händisch durchgeackert und konnte so immerhin 503.381 Dollar bestimmten Truppenkontingenten zuordnen. Die betroffenen Länder haben nach Rechnungslegung durch die UNMEE aber nur insgesamt 14.000 Dollar überwiesen. Das Kommando sucht nun die Unterstützung des UNO-Hauptquartiers. Der UNMEE gehören etwa 3.800 Personen aus über 40 Staaten an. Die Militärpressestellen Österreichs und der Schweiz gaben auf Anfrage von heise online an, im fraglichen Zeitraum jeweils nur einstellige Mannzahlen bei der Mission im Einsatz gehabt zu haben. Diese seien in den Skandal nicht verwickelt. Eine schweizerische Militärbeobachterin bestätige auch, dass bei Amtsantritt vor Ort "der sorgfältige Umgang mit dem PIN-Code ausdrücklich ans Herz gelegt" würde. Erst seit Februar 2004 sind auch zwei DEU-Soldaten im UNMEE-Einsatz. (Daniel AJ Sokolov) (ps)

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