Telefondaten: Mit Netzwerkforschung gegen Bandenkriminalität

US-Forscher haben eine Software entwickelt, mit der sich aus Telefondaten Rückschlüsse auf den Aufbau von Verbrecherorganisationen ziehen lassen.

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Von
  • Ben Schwan

Die Netzwerkforschung erreicht die Kriminalistik. Forscher um Emilio Ferrara an der Indiana University im amerikanischen Bloomington haben eine neuartige Software-Plattform entwickelt, mit der sich aus Telefondaten Rückschlüsse auf die Zusammensetzung von kriminellen Organisationen ziehen lassen. Damit soll es möglich sein, Informationen von Mobilfunkanbietern, aus Polizeidatenbanken und von Fachleuten der Polizei zentral zu kombinieren, um Ganovennetzwerke aufzudecken, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Die Plattform namens LogAnalysis kann das sogar sehr detailliert. "Sie erlaubt forensischen Kriminalisten die Hierarchien innerhalb solcher Organisationen zu verstehen, Mitglieder zu erkennen, die eine zentrale Rolle spielen und Verbindungen zwischen Subgruppen aufzuzeigen", erläutert Wissenschaftler Ferrara.

Im LogAnalysis-Netzwerk ist jedes Telefon ein eigener Knoten, Verbindungen existieren zwischen Geräten, die miteinander telefoniert haben. So wird es möglich, Gemeinschaften zu entdecken, die sich untereinander häufiger kontaktieren. Dies ergibt wiederum Rückschlüsse auf die Hierarchie einer kriminellen Organisation, wichtige Personen können erkannt werden.

So gut das Verfahren bereits zu funktionieren scheint: Noch lässt sich nicht sagen, wie groß die Beweiskraft einer solchen Netzwerkanalyse ist. Gerichte müssen erst noch erkennen, ob Daten dieser Art ausreichen, Angeklagten eine Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation nachzuweisen. Das Interesse an solcher Software ist jedenfalls groß. Zu den am LogAnalysis-Projekt teilnehmenden Forschern gehörten drei Wissenschaftler von der Universität Messina in Sizilien, wo bekanntlich schwerwiegende Probleme mit der Mafia existieren.

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(bsc)