Telefónica-Chef: "Mit 5G werden wir viel sicherere Netzwerke haben"

Virtuelle Netzwerke sollen den Mobilfunk privater machen, hieß es bei der Eröffnung des ersten Berliner 5G-Campus. Eugene Kaspersky ist skeptisch.

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(Bild: ra2studio/Shutterstock.com)

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Bei der offiziellen Eröffnung des kleinen 5G-Campusnetzes im Basecamp von Telefónica in Berlin prallten am Montagabend Welten aufeinander. Mit dem kommenden Mobilfunkstandard und den damit verbundenen höheren Anschlussmöglichkeiten werde es kaum möglich sein, alle auf diese Weise vernetzten Geräte gut abzusichern, befürchtete Eugene Kaspersky, Chef des russischen IT-Sicherheitshauses Kaspersky Lab. Markus Haas, CEO von Teléfonica Deutschland, hielt dagegen: "Wir werden viel sicherere, private Netzwerke mit Network Slicing haben."

Der aufscheinende Widerspruch lässt sich weitgehend auflösen. Haas bezog sich mit seiner Aussage auf die Funktion von 5G, virtuelle anwendungsbezogene Netzwerke im Parallelbetrieb betreiben zu können. Die damit einhergehende Option, einzelnen Kommunikationssysteme besser abzuschotten, bietet ihm zufolge einen "ganz neuen Security-Level". Zugleich stellte der Unternehmenschef aber auch klar, dass man mit dem neuen Mobilfunkstandard "auf einem Quadratmeter eine Million Geräte vernetzen kann" im Gegensatz zu einigen zehntausenden mit den Vorgänger-Generationen. So sei es etwa möglich, im großen Stil Sensoren oder Maschinen ans Netz zu bringen.

Diese Aussicht ist es, die Kaspersky umtreibt. "Wir werden immer mehr von der Cloud, von 5G und Maschinenlernen abhängen", zeichnete er ein weniger rosiges Bild. Im sich so vergrößernden Internet der Dinge drohe der ein oder andere "Blackout" durch Sabotage und die breiteren Angriffsflächen etwa auf die Netzinfrastruktur. Allein die von ihm gegründete Firma entdecke täglich über 300.000 neue Schadsoftware-Dateien. Da helfe es nur noch, das "Internet of Things" quasi immun zu machen und vernetzte Geräte so zu designen, dass "die Kosten eines Angriffs höher sind als die möglichen Schäden". Kaspersky Lab suche derzeit intensiv nach Partnern, um dieses Ziel zu verwirklichen.

Deutschland sei auf diesem Feld mit seinen Anforderungen an die Sicherheit von 5G-Netzen und die integrierte Technik schon gut aufgestellt, meint der Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm. Die neue Mobilfunkgeneration sei "die Basis für unsere Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft". Daher müssten die Regulierer eine "Zertifizierung vor allem des Sicherheitsmechanismus" von 5G-Ausrüstern, eine "resiliente Lieferkette" sowie "Ende-zu-Ende-Sicherheitsfunktionen" verlangen. Nur so könnten die Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Integrität des 5G-Netzwerks sichergestellt werden.

Vor einer schönen neuen 5G-getriebenen Technikwelt warnte ZDF-Moderatorin Dunja Hayali. "Datensets schließen Fake News in Echtzeit aus", Verbrechen würden verhindert, bevor sie passierten, lautete ihre Mischung aus Vision und Albtraum. Sie warf die Frage auf, ob damit nicht eine ganz neue digitale Diktatur drohe, in denen mit Künstlicher Intelligenz (KI) auch die menschliche Urteilsfähigkeit verlorengehe. Auch die Auswirkungen auf den Körper durch signifikante Zunahme elektromagnetischer Wellen sah die Journalistin, die nach eigenen Angaben selbst einige Dinge in ihrer Wohnung mit Amazons intelligenten Lautsprechern Echo kontrolliert, noch nicht geklärt.

Zunächst soll es das grundsätzlich schon seit November laufende, mit Hardware von Nokia realisierte 5G-Campusnetz den Hauptstädtern erlauben, die neue mobile Technik im Basecamp mit Bandbreiten von bis zu 800 MBit/s eigenhändig auszuprobieren. In einer Digital-Lounge in der nur wenige Meter entfernten Telefónica-Konzernrepräsentanz zeigten am Montag Startups erste Anwendungsmöglichkeiten. Strawberry Energy etwa hat eine "smarte Bank" mit Solarpanel entwickelt, auf der man ein Smartphone drahtlos laden oder in einem über 5G angeschlossenen WLAN surfen kann. Beim Vorführen setzte aber just der Demo-Effekt ein: das drahtlose Netzwerk konnte temporär keine Internetverbindung herstellen.

Die Firma Fold AI präsentierte parallel ihre Aja-Plattform, die über ein Dashboard, diverse Apps, Cloud und 5G den Zustand des Ökosystems Wald gleichsam in Echtzeit erfassen soll. Etwa das Baumwachstum zu messen, sei derzeit eine zeitaufwändige Arbeit, die künftig weitgehend automatisiert werden könne, wenn es nach dem Unternehmen geht. Dies solle letztlich helfen, mehr CO2 einzulagern. Max Aigner von "Brave Yourself" setzt derweil auf die Killer-App "Game of Drones", in der Drohnen selbst oder ihre menschlichen Lenker aus der Ferne global verstreut eine Mischung aus Fußball und Hockey spielen. Das spanische Startup Dimenco führte ferner in seinen Plan ein, etwa auf einem Laptop eine "simulierte Realität" zu erzeugen, in der Nutzer ohne Wearables wie Virtual-Reality-Brillen mit 3D-Inhalten interagieren können. (kbe)