Telefonieren per Zeichensprache

US-Wissenschaftler haben eine Software entwickelt, die es Hörgeschädigten erleichtern soll, auch über schmalbandige Mobilfunknetze per Videotelefonie miteinander zu kommunzieren.

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Anna Cavender von der Universität Washington demonstriert, wie MobileASL funktioniert.

Wissenschaftler der Universität Washington arbeiten an einer Software, die es Hörgeschädigten in den USA erleichtern soll, per Zeichensprache über das Mobilfunknetz miteinander zu kommunizieren. In Schweden und Japan wird die Videotelefonie bereits für diesen Zweck genutzt, allerdings weisen die dortigen Netze deutlich höhere Bandbreiten auf.

Eigentlich könnten hörgeschädigte Menschen neue Handymodelle mit großen Bildschirmen und Videotelefonie-Funktion problemlos für eine Kommunikation per ASL(American Sign Language)-Gebärdensprache nutzen. Doch fehlt insbesondere in den USA häufig die nötige Bandbreite für ruckellose Übertragungen, damit sich die Gesprächspartner auch verstehen können. Breitbandige 3G-Netze beispielsweise gibt es fast ausschließlich in den Großstädten. Als Folge schreiben die Betroffenen lieber Textnachrichten.

Um dies zu ändern, arbeitet eine Gruppe von Professoren und Studenten an dem Projekt Mobile ASL. Ihr Ziel ist es, Videos so zu komprimieren, dass sie beispielsweise auch in GSM-Netzen so schnell transferiert werden, dass sich die Gesprächspartner in Echtzeit unterhalten können.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich der wichtigste Ausschnitt des Videobildes um das Gesicht herum befindet, da Zeichensprachler ihrem Gegenüber meist ins Gesicht schauen, während sie ihm zuhören. Die Ingenieure haben deshalb einen Encoder entwickelt, der das Gesicht und die Hände einer Person in hoher Auflösung zeigt, während der Hintergrund in niedriger Auflösung verarbeitet wird. Dabei nutzen sie die H.264/AVC-Kompression und den x264-Kodierer.

Die Gesprächspartner haben sich bei MobileASL immer im Blick.

Derzeit arbeiten die Entwickler an einer Funktion, die erkennen soll, wann die aufgenommene Person ihre Hände bewegt, um den Stromverbrauch des Endgeräts zu reduzieren, wenn gerade keine Zeichensprache genutzt wird.

Für die Videotelefonie per Zeichensprache brauchen die Entwickler Mobiltelefone, die eine Kamera auf der Bildschirmseite eingebaut haben. Diese kann den Nutzer aufnehmen, während er den Bildschirm betrachtet. Vor allem UMTS-Handys besitzen solche Frontkameras, doch diese sind in den USA nicht weit genug verbreitet. Daher arbeiten die Forscher mit importierten Smartphones aus Europa. Diese weisen zudem eine höhere Prozessorleistung auf. Die UMTS-Geräte können auch im GSM-Netz senden und in den USA beispielsweise mit Hilfe des Datendienstes EDGE Videos mit ausreichender Bandbreite übertragen.

Bei der Kommunikation per ASL können Hörgeschädigte das Gerät entweder mit Hilfe eines Gestells auf dem Tisch platzieren und sich vor das Handy setzen, um mit beiden Händen Zeichen darzustellen. Oder der Benutzer hält das Gerät in einer Hand, während er die andere für die Zeichensprache nutzt. Das Gesicht ist in beiden Fällen zu sehen und die für die Kommunikation so wichtige Mimik geht nicht verloren.

Die Gruppe hat eigenen Angaben zufolge schon Gespräche mit einem großen Mobilfunkbetreiber geführt, der Interesse an dem Projekt geäußert haben soll. Die Fortschritte von MobileASL sind über die Website der Gruppe einsehbar, auf YouTube gibt es ein dazugehöriges Video. (Paula Grüneberg) / (pmz)