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Telefunken und Internet: Zum Tode von Eike Jessen

Am 18. März ist in Tutzing der Ingenieur und Informatikprofessor Eike Jessen gestorben. Er hat den Großrechner TR 440 entwickelt und war maßgeblicher Mitgestalter des Deutschen Forschungsnetzes.

Telefunken und Internet: Zum Tode von Eike Jessen

Eike Jessen im Jahr 2008

Vergangenen Mittwoch ist mit Eike Jessen der vielleicht letzte große Universalist der deutschen Informatik gestorben. 1933 als Sohn des später im Dritten Reich gehenkten Wirtschaftswissenschaftlers Jens Jessen geboren, wuchs er in Berlin auf. Dort studierte er ab 1954 Nachrichtentechnik an der Technischen Universität in Charlottenburg. Von 1960 bis 1964 arbeitete er in der Forschungsgruppe über Real-Time-Verarbeitung von Radarinformationen mit und promovierte über Assoziativspeicher. Anschließend ging er zur Computerabteilung der Firma AEG-Telefunken nach Konstanz, wo er die Entwicklung des Großrechners TR 440 leitete.

Der zur Hälfte vom Bund finanzierte TR 440 war damals das ehrgeizigste Projekt der westdeutschen Computerindustrie, und Ende der 1960er Jahre galt er mit 16 MHz Taktzeit und umfangreicher Time-Sharing-Kapazität als schnellster Rechner Europas. Er war außerdem der erste Computer, der mit einer Maus bedient werden konnte. Bis 1978 wurden von der TR 440 und ihrem Nachfolger TR 445 allerdings nur 46 Anlagen gefertigt, die primär in staatlichen und universitären Rechenzentren standen.

1972 erhielt Jessen eine Professur an der Universität Hamburg, 1983 wechselte er dann an die Technische Universität München, wo er bis 2001 als Ordinarius für Rechnerkommunikation und Maschinelle Deduktion lehrte. Schon 1981 hatte er bei einer USA-Reise das brandneue Computer Science Network CSNET kennengelernt und war seitdem ein überzeugter und wirkungsvoller Verfechter der nationalen und internationalen Computervernetzung.

Jessen begann, sich für das Deutsche Forschungsnetz (DFN) zu engagieren. Nach Start des DFN-Vereins als Verbundprojekt des Forschungsministeriums saß Eike Jessen von 1984 bis 1990 im Gründungsvorstand und amtierte von 1988 bis 1990 sowie von 1996 bis 2005 als Vorsitzender. 1993 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande und war unter anderem Emeritus of Excellence der TU München und Fellow der Gesellschaft für Informatik. Unter seinen vielen Ehrenämtern und Beratertätigkeiten sticht sein Engagement für die baltischen Länder und die Universität Vilnius hervor. (Ralf Bülow) / (mho)

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