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Telekom Austria in Turbulenzen

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Zu einer ganze Reihe von Korruptionsskandalen kommt bei der Telekom Austria Group (TA) nun auch noch ein abträglicher Geschäftsverlauf. Im ersten Halbjahr ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,9 Prozent auf 2,227 Milliarden Euro zurückgegangen. Das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) ist um rund ein Drittel auf 559 Millionen Euro eingebrochen. Beim Nettoergebnis ist die TA sogar in die roten Zahlen gerutscht: Wurden im ersten Halbjahr 2010 noch 160 Millionen Euro verdient, steht nun ein Verlust von 59 Millionen unter dem Strich.

In drei der vier wichtigsten Märkte (Österreich, Bulgarien und Kroatien) entwickelten sich die wichtigsten Finanzkennzahlen allesamt nach unten. Der vierte große Markt, Weißrussland, war zwar aufgrund eines guten ersten Quartals noch leicht positiv, doch ging das zweite Quartal nach unten. Dabei läuft das Geschäft in der Diktatur gar nicht schlecht. Aber die 54-prozentige Abwertung des weißrussischen Rubels macht dem Konzern einen Strich durch die Rechnung.

Im Heimatmarkt Österreich konnte A1 (ehemals Telekom Austria) einen geringen Zuwachs an Festnetzleitungen verbuchen. Über diese wird aber immer weniger telefoniert. Auf jeden Österreicher kommen bereits mehr als 1,5 Mobilfunk-Anschlüsse. Dieses Wachstum wird durch die intensive Nutzung von mobilem Breitband getrieben, wobei A1 aber langsamer wächst, als der Gesamtmarkt. Mit dem neuen Rekordwert von 5,2 Millionen Mobilfunk-Kunden hat A1 aber immer noch einen Marktanteil von über 40 Prozent. Während der Umsatz je Kunde (ARPU) zurückging, sind die Kündigungsrate (Churn) leicht sowie die Kosten für die Anwerbung neuer Kunden (SAC) stark gestiegen. Dazu gesellten sich Kosten von 250 Millionen Euro für Sozialpläne im Zuge des laufenden Mitarbeiterabbaus.

Angesichts der Korruptionsskandale versuchen sich TA-Vorstand und -Aufsichtsrat in Schadensbegrenzung. 2004 zahlte das Unternehmen an rund 100 Manager Prämien von 9,2 Millionen Euro aus. Grundlage war eine gute Entwicklung des Aktienkurses, der aber angeblich manipuliert war. Die Prämien wurden zwar "mit Vorbehalt" des Aufsichtsrats ausbezahlt, der Vorstand wurde aber trotzdem wiederbestellt.

Erst jetzt hat der Aufsichtsrat beschlossen, zumindest von den damaligen Vorständen Heinz Sundt, Stefano Colombo, Boris Nemsic und Rudolf Fischer die Prämien zurückzufordern. Aus einem Verhör Fischers war durchgesickert, dass zumindest Fischer, Colombo und Sundt von der erfolgten Manipulation gewusst, aber keine Gegenmaßnahmen eingeleitet haben sollen. Ob auch Nemsic Mitwisser war, ist unklar. Er soll eine "freiwillige" Rückerstattung angekündigt haben. Ametsreiter hat seinen Teil bereits überwiesen. Im Auftrag des Aufsichtsrats soll er von den "potenziellen Schädigern" den gesamten Schaden einklagen – im Zentrum stehen dabei Rudolf Fischer, Gernot Schieszler und der erst kürzlich entlassene Josef Trimmel.

Die grüne Nationalratsabgeordnete Gabriele Moser, die die aktuellen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ins Rollen gebracht hat, sparte am Mittwoch nicht mit Kritik. Die Finanzmarktaufsicht bekam ihr Fett ab, weil sie 2004 zwar ermittelt, aber keine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermittelt habe. Dies wäre rechtlich zulässig gewesen, meint Moser. Der staatlichen ÖIAG, die größter Aktionär von A1 ist, wirft Moser vor, ihre Kontrollbefugnis nicht wahrgenommen zu haben.

Jetzt sollten aber nicht nur die Kursmanipulation, sondern auch fragwürdige Immobiliendeals untersucht werden, forderte Moser von A1-Chef Ametsreiter und der Staatsanwaltschaft gleichermaßen. Berühmtester Verdachtsfall ist dabei die Veräußerung einer A1-Immobilie in der Wiener Nordbahnstraße. Der Käufer, die Porr AG, überwies dem FPÖ-Politiker Walter Meischberger dabei 700.000 Euro Provision. Bei einem später von den Ermittlern abgehörten Telefonat hatte Meischberger aber keine Ahnung, was er dafür getan haben sollte. Seine Frage "Wo woar mei Leistung?" ist in Österreich zum geflügelten Wort geworden.

Trotz alldem stieg der Aktienkurs der Telekom Austria Group am Mittwoch um gut 2 Prozent auf 7,59 Euro. Von seinem Jahreshoch von 11,40 Euro ist das Papier aber noch weit entfernt. (jk)