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Telekom-Chef im Visier der Sprachschützer

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Call & Surf Comfort, Free Call International Advanced, Business National Flat, Desktop Solutions – Telekom-Chef René Obermann hat die besten Chancen, zum "Sprachpanscher des Jahres" gekürt zu werden. Damit würde er in die Fußstapfen seines Vorgängers und ehemaligen Förderers Ron Sommer treten. Der Verein Deutsche Sprache (VDS) protestierte nämlich am Mittwoch erneut gegen die angebliche Übermacht der englischen Sprache im Telefongeschäft. Sommer war 1998 wegen einer Vielzahl von englischen Begriffen bei der Telekom von der Gesellschaft zum "Sprachpanscher des Jahres" ernannt worden.

In einem offenen Brief an den Vorstandsvorsitzenden Obermann, der auf der "Netzseite" des VDS veröffentlicht wurde, zählte der Verein mehr als hundert Produkte mit englischen Bezeichnungen auf. Sei die Nutzung von Telekom-Angeboten nicht auch in deutscher Sprache möglich?, fragte der Vorsitzende des Verbandes, Walter Krämer. Noch auf der Hauptversammlung 2009 in Hannover habe Obermann versprochen, den Ausbau des deutschen Wortschatzes im Telefongeschäft zu fördern und auf "Imponier-Anglizismen" zu verzichten. Daran müsse er sich nun messen lassen, hieß es.

Dass Sprachkritik wirke, meint der VDS an der Ankündigung der Deutschen Bahn im Februar dieses Jahres zu erkennen, künftig auf einige Anglizismen verzichten zu wollen. Der Vorgänger von Bahn-Chef Rüdiger Grube, Hartmut Mehdorn, war 2007 ebenfalls zum "Sprachpanscher des Jahres" gekürt worden. Allerdings werden die Sprachkritiker auch selbst kritisiert. Der Aachener Sprachwissenschaftler Thomas Niehr beispielsweise bezeichnete den VDS als "Kristallisationspunkt des modernen deutschen Sprachpurismus". Die Kriterien des VDS ließen "grundlegende Erkenntnisse und Unterscheidungen der Sprachwissenschaft außer Acht". Der VDS, der nach eigenen Angaben 32.000 Mitglieder hat, trat in der Vergangenheit Vorwürfen entgegen, er stehe in der Nähe von Rechtsradikalen. (anw)