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Telekom, EU-Kommission und US-Regierung erhalten tschechische Big Brother Awards

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Bei der Verleihung der tschechischen Big Brother Awards haben am gestrigen Freitag in Prag viele ausländische Datenkraken abgeräumt. So erhielt die Deutsche Telekom etwa einen der Negativpreise für die größten Überwacher aufgrund ihres wiederholten Verlusts von Kundendaten und der Bespitzelung von Gewerkschaftlern, Betriebsratsangehörigen sowie Journalisten. Die EU-Kommission sicherte sich eine der wenig begehrten Auszeichnungen, weil sie in einer Verordnung den Einsatz von "Nackt-Scannern" an Flughäfen zuließ. Nicht verschont blieb auch die US-Regierung. Sie erhielt die zweifelhafte Trophäe in der Kategorie "größter internationaler Schnüffler" für die Einführung der elektronischen Reiseautorisierung ESTA (Electronic System for Travel Authorization) und ihre "unersättliche Sammlung personenbezogener Daten" auf der ganzen Welt über ein großes Spionagenetz und andere Überwachungssysteme wie die für Flugpassagiere.

Zu den tschechischen Institutionen und Verwaltungen, die sich nun als Großer Bruder bezeichnen können, gehören die Stadt Prag für die Einführung ihres Chipkartensystems für den Öffentlichen Personennahverkehr mit dem Titel Opencard, die Firma AQER für eine Software zum Überwachen des Netzverkehrs und die Betreiber des lokalen Mautsystems wegen der Umstellung auf eine besser kontrollierbare elektronische Zahlweise. Einen Positivpreis erhielt der deutsche Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung. Die Jury entschied sich für den Zusammenschluss von Datenschützern, Internetnutzern und Bürgerrechtlern, weil er mit seiner Kampagne gegen die verdachtslose Protokollierung von Nutzerspuren und dem von ihm eingefädelten weltweiten Aktionstag "Freiheit statt Angst" auch international als Vorbild für engagierten und gleichzeitig fachkundigen Widerstand gegen staatliche Überwachungspläne gelte. (Stefan Krempl)/ (gr)