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Telekom-Großstörung: Politik will engere Zusammenarbeit im Bund und Sachkunde der Industrie

Nicht nur Bund und Länder sollen laut einiger Politiker fortan besser zusammenarbeiten, wenn es um die IT-Sicherheit geht. Auch die Zusammenarbeit mit der Industrie müsse verstärkt werden, meint Kanzlerin Angela Merkel.

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Schnelles Internet

Nach dem Angriff auf die Router der Deutschen Telekom hat der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) für eine engere Zusammenarbeit von Bund und Ländern plädiert. "Wir müssen uns schlichtweg an einen Tisch setzen, Erkenntnisse und Informationen austauschen, dann werden wir auch besser werden", sagte Jäger am Mittwoch dem RBB-Inforadio. Es müsse verhindert werden, dass Hacker an kritische Infrastrukturen wie etwa die Stromversorgung gelangten.

Dass jedes Bundesland sein eigene IT-Sicherheitsstrategie verfolgt und verfolgen kann, zeigte erst kürzlich die Ankündigung des bayerischen Finanzministers Markus Söder, dass die bayerische Landesregierung das bundesweit erste Landesamt für IT-Sicherheit (LSI) gründen wolle. Bis zum Jahr 2025 will sie dafür jährlich 20 bis 30 Experten einstellen. Dadurch hätte das LSI in der Endausbauphase mit rund 200 IT-Sicherheitsspezialisten ein Drittel so viel Experten wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Dienstagabend bei einem Festakt desSiemens-Konzerns für eine engere Zusammenarbeit mit Unternehmen ausgesprochen. Die Politik sei auf die Sachkompetenz der Industrie angewiesen. Regierung und Parlamentarier hätten nicht immer das letzte technische Wissen. "Und wenn sie nicht genau verstehen, was stattfindet, ist es natürlich auch nicht einfach, Gesetze zu machen. Deshalb müssen wir in den Cyber-Fragen eng zusammenarbeiten". Die bereits aufgelegte nationale Cyber-Sicherheitsstrategie sei ein "erster Schritt".

Unter anderem solle eine etwa 20 Personen starke mobile Einsatztruppe (Mobile Incident Response Team) des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Notfällen zum Einsatz kommen. Verbrauchern soll ab 2017 die Entscheidung für sichere Produkte mit einem IT-Gütesiegel erleichtert werden.

Unterdessen kritisierte der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, die Bundesregierung. Sie habe das Thema IT-Sicherheit "über Jahre nicht ernst genommen", sagte von Notz der Funke-Mediengruppe. Anfang der Woche hatten sich Angreifer Zugang zu fast einer Million Internet-Routern der Deutschen Telekom verschafft und diese weitgehend lahmgelegt. (mit Material der dpa) / (kbe)

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