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Telekom-Spitzel soll auch für die Bahn gespäht haben (Update)

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Die Spitzelaffäre der Deutschen Telekom weitet sich einem Bericht des Handelsblattes zufolge auf die Bahn aus. Die Deutsche Bahn AG hat nach Informationen der Zeitung Aufträge an dieselbe Firma vergeben, die für die Telekom Aufsichtsräte und Journalisten ausspähte. Ein Bahn-Sprecher bestätigte der Zeitung, dass es eine Geschäftsbeziehung zwischen der Bahn und der Network Deutschland GmbH gab. Deren Geschäftsführer Ralph Kühn hatte vergangene Woche zugegeben, im Telekom-Auftrag illegal beschaffte Telefondaten ausgewertet zu haben.

"Nach Angaben eines Subunternehmers von Kühn gleichen sich die Arbeiten, die für Telekom und Bahn ausgeführt wurden, bis ins Detail", schreibt das Handelsblatt. "Es ging um die Ausforschung von Telefonverbindungen, Bankdaten und die komplette Durchleuchtung von Zielpersonen", wird die Quelle weiter zitiert. Zwei weitere Informanten sollen der Zeitung bestätigt haben, dass die Bahn gezielt an Kühn herangetreten sei. Kühn soll einen besonders leichten Zugang zu Verbindungsdaten gehabt haben, das bringe die Telekom noch weiter in Bedrängnis.

Der Bahn-Sprecher betonte dem Bericht zufolge, es gebe bei der Bahn "keine unzulässige Überwachung von Mitarbeitern oder externen Personen". Im Rahmen der Korruptionsbekämpfung, habe man "in Einzelfällen im Rahmen des rechtlich Zulässigen auch externen Sachverstand in Anspruch genommen". Im Handelsblatt ist hingegen die Rede davon, dass die Bahn ähnlich wie die Telekom auf der Suche nach undichten Stellen gewesen sei, durch die Informationen unerwünscht an die Öffentlichkeit gelangt seien.

(Update):
Der Korruptionsbeauftragte der Bahn, Wolfgang Schaupensteiner, bestätigte mittlerweile gegeüber dpa ebenfalls, dass auch die Bahn Aufträge an den Recherchedienst Network Deutschland vergeben hat, der im Zentrum der Bespitzelungsaffäre bei der Telekom steht. Er wolle aber ganz deutlich machen, "dass es keinen zweiten Fall Telekom gibt". Den Angaben zufolge geht es bei der Bahn um 43 Fälle zwischen 1998 und 2007 mit einem Auftragsvolumen von insgesamt rund 800 000 Euro. Die Aufträge seien ausschließlich zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität und Korruption vergeben worden. "Es gab keine Aufträge zur Beschaffung nicht öffentlich zugänglicher Daten", sagte Schaupensteiner.

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(anw)