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Telekom-Spitzelaffäre kommt nun doch vor Gericht

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Die Schnüffeleien bei der Deutschen Telekom haben jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Vom 3. September an müssen sich drei frühere Mitarbeiter des Konzerns und ein Geschäftsmann vor dem Bonner Landgericht wegen der Bespitzelung von Journalisten und Aufsichtsräten verantworten. Wie ein Sprecher des Gerichts am Donnerstag mitteilte, sind bis Ende Oktober elf weitere Verhandlungstage vorgesehen.

Möglicherweise muss die frühere Konzernspitze, gegen die ebenfalls ermittelt worden war, in den Zeugenstand. Der damalige Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel seien als Zeugen geladen, berichtete die Rheinische Post (Freitagsausgabe). Der Sprecher des Bonner Landgerichts, Joachim Klages, wollte sich zu Zeugenladungen noch nicht äußern.

Ausgangspunkt des Skandals war die Veröffentlichung von vertraulichen Informationen über die Unternehmensplanung im Januar 2005. Der damalige Vorstandschef Kai-Uwe Ricke beauftragte den zuständigen Abteilungsleiter laut Anklage, das "Leck" zu ermitteln, das in den Reihen des Aufsichtsrats vermutet wurde. Der Abteilungsleiter ließ daraufhin die Telefonverbindungsdaten etlicher Mitglieder des Aufsichtsrats und mehrerer Journalisten aufzeichnen – das illegale Projekt in dem am Rhein gelegenen Unternehmen erhielt den Namen "Rheingold".

Dem leitenden Manager halfen laut Staatsanwaltschaft zwei Mitarbeiter – alle drei sitzen demnächst auf der Anklagebank. Hinzu gesellt sich der Chef einer Berliner Firma, die die an insgesamt 34 Mobil- und Festnetztelefonen erschnüffelten Daten ausgewertet haben soll. Dem Abteilungsleiter wird außerdem finanzielle Untreue vorgeworfen, dem Geschäftsmann Beihilfe dazu. Die Telekom selbst hatte 2008 – inzwischen unter neuer Führung – eine Anzeige erstattet.

Sehr zum Unmut der Geschädigten wird die frühere Konzernspitze nicht auf der Anklagebank sitzen. Gegen Ex-Vorstandschef Ricke und den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel hatte die Bonner Staatsanwaltschaft nach langen Ermittlungen keinen hinreichenden Tatverdacht gesehen. Beide hatten stets beteuert, dass sie von den illegalen Methoden keine Kenntnis gehabt hätten, und das konnte ihnen laut Staatsanwaltschaft nicht widerlegt werden. Über eine Beschwerde der Geschädigten gegen die Einstellung der Verfahren gegen Ricke und Zumwinkel wurde noch nicht entschieden. (pmz)

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