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Telekom-Warnstreik liefert Vorgeschmack auf Arbeitskampf

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Mit bundesweiten Warnstreiks haben die Beschäftigten der Telekom einen Vorgeschmack auf den anstehenden Arbeitskampf geliefert. Am letzten Tag der Urabstimmung über einen Streik protestierten rund 12.000 Beschäftigte gegen den geplanten Konzernumbau, sagte ver.di-Streikleiter Ado Wilhelm am heutigen Mittwoch auf Anfrage der dpa. Der Betriebsablauf bei dem Bonner Unternehmen wurde durch die Proteste umfangreich gestört. In dem Konflikt geht es um die Auslagerung von 50.000 Mitarbeitern in den konzerneigenen Bereich T-Service.

Ein Telekom-Sprecher räumte ein, dass durch die Warnstreiks der Betrieb gestört ist. Es gebe längere Wartezeiten in Bereichen wie der Auftragsannahme oder -bearbeitung, sagte er. Mit dem ersten Arbeitskampf seit der Umwandlung der Telekom in eine Aktiengesellschaft im Jahr 1995 will ver.di den geplanten Konzernumbau verhindern.

"Die Beteiligung an der Urabstimmung war auch am zweiten Tag sehr hoch", sagte Wilhelm. So hätten in einigen Bereichen bereits 90 Prozent der ver.di-Mitglieder ihre Stimme abgegeben. Insgesamt sind rund 18.000 Telekom-Beschäftigte zum Urnengang aufgerufen. Für die Ausweitung der Streiks benötigt die Gewerkschaft eine Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen. Die Zustimmung gilt als sicher. Das Ergebnis der Urabstimmung soll am Donnerstagmittag bekannt gegeben werden.

Zuvor wird der Telekom-Vorstand seine Geschäftszahlen für die ersten drei Monate 2007 vorlegen. Beobachter rechnen mit einem Ergebnisrückgang und einem hohen Kundenabfluss in der Festnetzsparte T-Com. Telekom-Chef René Obermann will mit der Gründung von T-Service die Kosten um jährlich bis zu 900 Millionen Euro senken und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens erhöhen. Die betroffenen Mitarbeiter sollen länger arbeiten und dabei weniger verdienen. Da ver.di den Konzernumbau ablehnt, will das Unternehmen T-Service im Alleingang gründen.

Unerwartet Schützenhilfe erhielt Obermann von den Wettbewerbern, die Beeinträchtigungen durch den Streik befürchten. Der Geschäftsführer des Branchenverbandes VATM, Jürgen Grützner, drückte sein Unverständnis für die Streikandrohungen der Gewerkschaft ver.di bei dem Unternehmen aus. Deren Forderungen gingen in die völlig falsche Richtung, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Die Mitarbeiter der Wettbewerber verstünden die Angestellten der Telekom nicht, wenn diese für eine 34-Stunden-Woche kämpften.

Grützner verteidige zugleich die Arbeitsbedingungen in der Telekommunikationsbranche. "Unsere Mitarbeiter werden je nach Leistung ordentlich und sehr gut bezahlt". Zugleich kritisierte er den Bonner Konzern, der wichtige Strukturreformen bei der Modernisierung der Netze verschlafen habe. Dass die Telekom Stellen abbaue, sei unausweichlich. Neue Technik benötige weniger Personal, darauf müsse sich jedes Unternehmen einstellen.

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(dpa) / (vbr)