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Telekom bastelt Allianz für "deutsches Internet"

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NSA-Skandal

Die NSA, der britische GCHQ und andere westliche Geheimdienste greifen in großem Umfang internationale Kommunikation ab, spionieren Unternehmen sowie staatliche Stellen aus und verpflichten Dienstleister im Geheimen zur Kooperation. Einzelheiten dazu hat Edward Snowden enthüllt.

Der noch amtierende Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich wünscht es sich, der Bitkom will es prüfen lassen, die Internet Society warnt davor: In der Folge der NSA-Überwachungsaffäre ist die Diskussion losgebrochen über eine Art deutsches oder europäisches Internet, also die Nationalisierung des Datentransfers im eigentlich globalen Netz.

Nun bastelt die Deutsche Telekom bereits daran, ein innerdeutsches Internet auf die Beine zu stellen. "Es laufen Gespräche mit diversen möglichen Partnern", sagte ein Telekom-Sprecher gegenüber dpa und bestätigte damit einen Bericht des Spiegel. Es gehe dabei zum Beispiel um Netzbetreiber, deren Unterstützung für ein solches Projekt notwendig wäre. Zum Stand der Gespräche äußerte sich der Sprecher nicht.

Neben den Vorschlägen von Friedrich, der ein einem IT-Sicherheitsgesetz verankern möchte, dass deutscher Datenverkehr nur in innerdeutschen Leitungen transportiert werden soll, hatte auch der Bitkom eine Art "nationales" oder auf den Schengen-Raum begrenztes Routing ins Gespräch gebracht. Der IT-Branchenverband schränkte aber gleichzeitig ein, dass dies auf große technische Probleme stoßen könne und mit den derzeitigen Netzkapazitäten wohl nicht zu machen sei.

Wie weit die Umsetzung dieser Überlegungen bei der Telekom vorangekommen ist, bleibt bisher unklar. Es müssten viele Probleme geklärt werden, die von rechtlichen Fragen bis zu geschäftlichen Grundlagen reichen. Die Telekom hofft dem Spiegel zufolge auch auf Unterstützung durch die neue Bundesregierung. Laut Konzernmanagern seien die technischen Vorbereitungen weniger aufwendig als bisher gedacht.

Darüber hinaus geht ein von der Telekom und anderen deutschen Herstellern entwickelter Sicherheitsfilter an den Start, der Unternehmen vor Cyberangriffen schützen soll. Das Produkt "Clean Pipe" richte sich an Geschäftskunden und biete einen Schutzschild gegen alle elementaren Bedrohungen aus dem Internet, sagte ein Telekom-Sprecher und bestätigte einen Bericht der «Wirtschaftswoche. Sensible Komponenten vom Internet-Router bis zum Cloud Computing stammten von deutschen Anbietern. Es gehe vor allem um die Abwehr von Wirtschaftsspionage und allgemeiner Internetkriminalität.

Die Telekom habe "Clean Pipe" zusammen mit Lancom Systems entwickelt – der Router-Hersteller ist auch auf besonders sichere Routing-Lösungen und VPNs spezialisiert. Der Sicherheitsfilter werde derzeit von Pilotkunden getestet. Vorgestellt werde er an diesem Montag in Bonn bei dem von der Telekom organisierten IT-Sicherheitsgipfel, der offizielle Marktstart solle bei der CeBIT 2014 sein.

Zum NSA-Überwachungsskandal siehe auch:

(jk)

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