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Telekom bietet angeblich für Kabelnetzbetreiber Primacom

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Die Deutsche Telekom ist nach Informationen der Financial Times Deutschland an der Übernahme des Kabelnetzbetreibers Primacom interessiert. Der Dax-Konzern, für den die Übernahme der Wiedereinstieg ins Geschäft mit TV-Kabelnetzen bedeutete, gehöre zu mindestens vier Interessenten, die Ende Juli Gebote für den Betreiber Primacom abgegeben hätten, berichtet die Zeitung unter Berufung auf mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen. Die Telekom wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren; zuletzt war der Telekom Interesse am dann von Kabel Deutschland übernommenen Betreiber Teleclumbus nachgesagt worden. Die Telekom hatte ihre damaligen regionalen Kabelgesellschaften im Laufe der Jahre 2000 bis 2003 verkauft.

Zu den weiteren Bietern für Primacom gehören dem Bericht zufolge der Investor Star Capital Partners, DTK Deutsche Telekabel sowie ein weiterer unbekannter Finanzinvestor. Star Capital besitze bereits den deutschen Kabelnetzbetreiber Pepcom.

Der deutsche Kabelnetzbetreiber gehört über die luxemburgischen Gesellschaften Medford und Perseus den Hedge-Fonds Alcentra Europe, Avenue Capital und Tennenbaum Capital Partners sowie der Bank ING. Die ehemaligen Gläubiger haben das Unternehmen nach einem Machtkampf mit den damaligen Besitzern übernommen. Primacom war 2010 unter einer Schuldenlast von insgesamt rund 340 Millionen Euro zusammengebrochen. Als ein Gläubiger Verbindlichkeiten von fast 30 Millionen Euro einforderte, erklärte sich der Kabelnetzbetreiber für zahlungsunfähig. Im Laufe des Insolvenzverfahrens der Primacom AG wurde das in einer GmbH gebündelte operative Geschäft an die luxemburgische Medfort S.a.r.l. verkauft, die im Zuge der Neuaufstellung von der Perseus SA übernommen wurde, hinter der die Gläubiger standen.

"Wir sind dabei, mit verschiedenen Parteien zu diskutieren", sagte Wolf Waschkuhn, Geschäftsführer der Holdings Medford und Perseus, der Zeitung. Die Primacom-Eigner betrachteten die Runde keineswegs nur als Markttest, sondern wollten verkaufen, sollten die Gebote hoch genug ausfallen. "Das ist mehr, als nur die Füße ins Wasser zu halten", sagte Gesellschaftervertreter Waschkuhn.

Dem Bericht zufolge hat die Telekom zwischen 250 und 280 Millionen Euro geboten. Dies sei einer der höchsten Preise. Die letzten öffentlichen Daten von Primacom stammten aus dem Jahr 2010. Damals habe das Unternehmen bei einem Jahresumsatz von 108 Millionen Euro ein konsolidiertes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von knapp 28 Millionen Euro erwirtschaftet. Derzeit liege diese Marke im "mittleren 30-Millionen-Bereich", so ein informierter Manager. Primacom ist vor allem in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern aktiv, bietet aber auch Kabelnetzzugang in wenigen Regionen in Hessen, Baden-Württemberg und dem Saarland an. (mit Material von dpa) / (jk)