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Telekom ersetzt Huawei-Technik im Kernnetz

Nach Vodafone hat nun offenbar auch die Telekom die Technik für ihr Kernnetz neu ausgeschrieben. Auf der Funkseite bleibt Huawei aber präsent.

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Bei 5G funkt die Telekom weiterhin mit Huawei, verbannt den chinesischen Ausrüster aber aus dem Kernnetz.

(Bild: heise online/vbr)

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Die Telekom will Technik von Huawei offenbar aus ihrem Kernnetz verbannen. Innerhalb von zwei Jahren würde die Huawei-Technik ersetzt, berichtet die Wirtschaftswoche unter Berufung auf Konzernkreise. Das erfolge im Zuge der regelmäßigen Erneuerung der Systeme. Auch Technik von US-Ausrüstern solle dabei aussortiert werden. Die Telekom wollte den Bericht nicht kommentieren.

Im Kernnetz befinden sich Server und Datenbanken mit sensiblen Informationen. Sie erfüllen wichtige Funktionen für den Netzbetrieb und gelten auch als "Gehirn" eines Mobilfunknetzes. Hier spielt Technik von Huawei nicht die gleiche wichtige Rolle wie auf der Funkseite (Radio Access Network). Der Ausrüster macht nur einen kleineren Teil seines Umsatzes mit Komponenten für Kernnetze. Auf dem Markt tummeln sich noch zahlreiche andere Anbieter, während Funkkomponenten für 5G in erster Linie von Huawei, Nokia und Ericsson angeboten werden.

Der Austausch im Telekom-Netz erfolgt nach einer Ausschreibung, bei der auch die anderen großen Anbieter nicht berücksichtigt wurden. Wer bei der Telekom den Zuschlag erhalten hat, ist nicht bekannt. Dem Vernehmen nach soll es sich um einen US-Anbieter handeln. Das Unternehmen wollte die Berichte auf Anfrage nicht kommentieren. "Grundsätzlich verfolgen wir eine Multi Vendor Strategie, beziehen also Netzkomponenten von mehreren Herstellern", sagte ein Sprecher. "Sicherheit hat für uns oberste Priorität."

Auch Vodafone tauscht derzeit Huawei-Komponenten im Kernnetz aus. Einen Zusammenhang mit der aktuellen Sicherheitsdebatte soll es dabei nicht geben. Vodafone hat eigenen Angaben zufolge die Infrastruktur für das Kernnetz bereits vor zwei Jahren ausgeschrieben und sich dann für Nokia entschieden.

Der Ausschluss von Huawei-Technik aus den Kernnetzen wird bereits seit einiger Zeit als möglicher Kompromiss für die 5G-Netze diskutiert. Vor dem Hintergrund des Handelskriegs zwischen den USA und China wird dem Unternehmen unter anderem von der US-Regierung vorgeworfen, zu nah mit der chinesischen Regierung verbandelt zu sein und ein Sicherheitsrisiko darzustellen.

Auch in der deutschen Politik wird die Debatte um Huawei weiter geführt. In den vergangenen Wochen mehren sich die kritischen Stimmen, die sich für einen Ausschluss des chinesischen Anbieters vom Ausbau der 5G-Netze stark machen – nicht nur in der Union, sondern in allen Parteien. Huawei weist die bisher unbelegten Vorwürfe stets zurück und bietet die Kooperation an.

Bisher hat die Bundesregierung den Kurs gefahren, keinen Anbieter explizit vom 5G-Ausbau auszuschließen. Stattdessen sollen alle Ausrüster einen von Bundesnetzagentur und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) abgestimmten Sicherheitskatalog erfüllen. Das würde dann auch für US-Anbieter gelten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihren Kurs am Freitagmorgen zur Eröffnung des CDU-Parteitags noch einmal bekräftigt. "Wir sollten offen sein technologisch, aber wir sollten die Maßstäbe setzen", sagte Merkel. "Wir sollten niemanden von vornherein ausschließen."

Doch zuletzt ist Merkel in ihrer eigenen Partei stärker unter Druck geraten. Auf dem derzeit laufenden Bundesparteitag liegen Anträge vor, die auf einen Ausschluss von Huawei hinauslaufen. Inzwischen zeichnet sich ein Kompromiss ab, nachdem einer der Anträge umformuliert wurde. (vbr)