IFA

Telekom leitet Tarifoffensive ein

Auf der IFA in Berlin stellte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke die neue Strategie vor, die ihm den Kopf retten soll. Die Idee: Kosten und Preise runter, dafür mehr Service und Innovation. Der große Wurf gelingt Ricke dabei nicht.

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  • Volker Briegleb

Das Wort "Service" war auf der Telekom-Pressekonferenz am Tag vor der IFA-Eröffnung in Berlin häufig aus Vorstandsmund zu vernehmen. Die Deutsche Telekom, oft als behäbiger Ex-Monopolist verspottet, will sich bewegen. Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin stellten Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und seine Vorstandskollegen die "neue Telekom" vor. Die Idee: Kosten und Preise runter, dafür mehr Service und Innovation. Die Telekom will die verschiedenen, im Konzern angebotenen Dienste bündeln und mit neuen Tarifmodellen "ein neues Kapitel" aufschlagen, wie Ricke betonte. Das muss er auch, denn es geht um seinen Job.

Die Telekom wird den Kampf um Marktanteile nicht über den Preis gewinnen, glaubt Ricke. Der Vorstandschef will nicht "der billige Jakob" sein, wie er sagte. Für die Kunden soll es einfacher werden, der T-Com-Techniker richtet für knapp 50 Euro den DSL-Zugang beim Kunden ein, bis er läuft. Das versteht die Telekom unter Service. Intern müssen die Kosten runter. Dafür wollen Ricke und T-Com-Chef Walter Raizner alle Dienste konsequent auf IP-basierte Netze migrieren sowie Kosten in Entwicklung und Vertrieb senken. Personal solle nur im Rahmen der bereits angekündigten Maßnahmen abgebaut werden.

Wie einst der CDU-Finanzexperte Friedrich Merz sein Steuermodell stellte Raizner die T-Com-Tarifoffensive auf einem Bierdeckel vor. Die Tarifpakete sind dreistufig angelegt: Reine Telefonietarife, kombinierte Internet- und Telefonpakete sowie "Triple Play". Das vorab angekündigte DSL- und Telefonpaket für "unter 40 Euro" entpuppt sich als mit 500 Megabyte Datenvolumen und 120 Freiminuten im T-Com-Netz gedeckelter 2-MBit-Zugang mit analogem Telefonanschluss für insgesamt 34,95 Euro. Mit einer echten DSL-Flatrate und Telefonpauschale für das T-Com-Netz kostet das Paket 49,95 Euro, für 10 Euro mehr gibt es den Internetzugang auch mit 16 MBit/s. Für jeweils vier Euro mehr pro Monat gibt es in diesen Paketen einen ISDN- statt des Analoganschlusses. Die neuen Tarife sind ab dem 18. September verfügbar, Interessenten können sich ab sofort vormerken lassen. Bestandskunden versprach Raizner großzügig zu migrieren.

Das neue Triple-Play-Angebot halten die Telekom-Manager weiter unter der Decke. Für den Einstieg bietet T-Com einen 6000er-DSL-Anschluss mit dem etablierten Video-on-Demand-Dienst der bald wieder in die Sparte integrierten T-Online. Inklusive Telefon- und DSL-Anschluss soll das Paket ab 65,84 Euro im Monat erhältlich sein. Ab "T-Home Complete Basic" gibt es dazu noch IPTV und VDSL mit 25 MBit/s. Die VDSL-Pakete sollen inklusive T-Net Telefonanschluss ab 80,84 Euro monatlich erhältlich sein – offen bleibt nur, ab wann. Offizielle Sprachregelung: Triple Play gibt es erst im vierten Quartal des Jahres.

Angebote der Mobilfunksparte sind nicht auf Raizners Bierdeckel. Das von Ricke so genannte "Quadruple Play" findet bei der Telekom als konzernweiter Rabatt statt. Wer zu seinem Triple-Play-Paket auch einen Laufzeitvertrag bei T-Mobile hat, erhält einen je nach Kombination unterschiedlich hohen Rabatt, der über die Laufzeit des Vertrages verteilt wird. In Kombination mit der neuen T-Mobile-Flatrate Max ensteht nach Telekom-Arithmetik für "rund 81 Euro" die "erste echte Dreifach-Flatrate" Deutschlands. Mit den Telekom-typischen Einschränkungen. So gilt die "Deutschland-Flatrate" für Festnetzgespräche nur für das T-Com-Netz. Konzern-Chef Ricke rechnet den Kunden aber jedenfalls vor, dass sie für 81 Euro im Monat unbegrenzt ins deutsche Festnetz und ins T-Mobile-Netz telefonieren und unbegrenzt das Internet nutzen könnten.

"Wir brechen hier keinen Preiskrieg vom Zaun", stellte Ricke treffend fest, die Telekom passe sich dem Marktniveau an. Den Krieg führen andere, und sie jagen der Telekom damit Quartal für Quartal viele Kunden ab. Ricke und Raizner sind unter Druck, von dem neuen Konzept dürfte auch ihre Zukunft im Konzern abhängen. Der Aufsichtsratssitzung sieht Ricke gelassen entgegen. "Ich habe einen Plan, und das nicht erst seit dem 10.  August", gab sich der Manager kämpferisch. Ob die neuen Tarife Ricke und Raizner den Kopf retten, bleibt abzuwarten. Der Schritt geht in die richtige Richtung, der große Wurf ist das Paket aber nicht. Für Ricke ist es trotzdem ein Erfolg: "Wir können endlich kundenorientierte Bündeltarife bis hin zur Dreifach-Flatrate aus Internet, Festnetz und Mobilfunk mit deutlichen Preisnachlässen anbieten", freut sich der Vorstandschef. Was ihn bisher davon abgehalten hat, verriet er nicht. (vbr)