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Telekom soll Spitzel in der Capital-Redaktion platziert haben

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In der Affäre um die Überwachung von Journalistenkontakten muss sich die Deutsche Telekom mit neuen konkreten Vorwürfen auseinandersetzen. Nach Informationen des Spiegel und der Süddeutschen Zeitung soll der Bonner Konzern im Jahr 2005 "über Monate" einen Maulwurf beim Wirtschaftsmagazin Capital eingeschleust haben. Eine Detektei sei damit beauftragt worden, den Spitzel in der Redaktion unterzubringen und zu führen. Der Maulwurf habe offenbar nachweisen können, dass ein damaliges Telekom-Betriebsratsmitglied Kontakt zu dem Capital-Redakteur Reinhard Kowalewsky hatte.

Zuvor war bekannt geworden, dass unter anderem Kowalewsky Ziel der Aktionen mit den hübschen Namen "Clipper" und "Rheingold" war, bei denen Telefonverbindungsdaten auf Kontakte zwischen Aufsichtsratsmitgliedern und Journalisten überprüft worden sein sollen. Dabei seien aus 250.000 Datensätzen 8000 potenzielle Journalistengespräche herausgefiltert worden. Im Zentrum der Ermittlungen sollen nach Spiegel-Angaben drei Wirtschaftsjournalisten gestanden haben. Auch Kowalewsky hatte 2005 und 2006 kenntnisreich über geheime Planungen der Telekom berichtet.

Unterdessen gerät in der Causa Kowalewksy auch Telekom-Chef René Obermann stärker unter Druck. Der Vorstand habe bereits 2007 Kenntnis von der Bespitzelung des Capital-Manns gehabt, berichtet unter anderem die Süddeutsche Zeitung. Obermann habe daraufhin den Chef der Sicherheitsabteilung entlassen und die Konzernsicherheit umgekrempelt. Die Capital-Redaktion sei aber nicht über die Vorgänge in Kenntnis gesetzt worden.

Erst nach Bekanntwerden der Affäre am vergangenen Wochenende sei Capital informiert worden, "dass jener 'Einzelfall' mit einer Ausspähung des Capital-Redakteurs Reinhard Kowalewsky, 48, in Zusammenhang stehe", teilte das Magazin dazu mit und schloss straf- und zivilrechtliche Schritte nicht aus. Kowalewsky selbst zeigte sich von den Vorgängen gegenüber den ARD-Tagesthemen entsetzt.

Ein Telekom-Sprecher bestätigte die Berichte, Spekulationen über eine mögliche Verstrickung von Obermann in die Affäre wies das Unternehmen allerdings zurück. Der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel habe Obermann von einem "verfrühten schädlichen Gang an die Öffentlichkeit dringend abgeraten", hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens vom späten Mittwochabend. Eine Pflicht zur öffentlichen Anzeige habe es "zu keiner Zeit" gegeben. Zudem habe man die Ermittlungen nicht durch eine frühzeitige Veröffentlichung gefährden wollen.

Der Aufsichtsrat der Deutschen Telekom hat dem Vorstandsvorsitzenden indes den Rücken gestärkt. Das Kontrollgremium habe ausdrücklich die von Obermann eingeleiteten Maßnahmen begrüßt und seinen Kurs unterstützt, um künftig einen Datenmissbrauch in dem Unternehmen zu verhindern, sagte Konzernsprecher Philipp Schindera nach einer Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend in Bonn. Zu Details der fünfstündigen Sitzung wollte er sich nicht äußern.

Zuvor hatte der frühere Personalvorstand der Telekom, Heinz Klinkhammer, Zumwinkel und den damals verantwortlichen Vorstandschef Kai-Uwe Ricke belastet. Der Auftrag für interne Ermittlungen sei an Klinkhammer vorbei "aus dem Umfeld Ricke und Zumwinkel erteilt worden". Zumwinkel und Ricke wiesen die Vorwürfe zurück.

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(vbr)