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Telekom startet Geschäftsbereich "Intelligente Netzlösungen"

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Die Deutsche Telekom will mit intelligenten Netzlösungen bis zum Jahr 2015 einen Umsatz von 1 Milliarde Euro erzielen. Intelligente Stromnetze, vernetzte Fahrzeuge, ein vernetztes Gesundheitswesen und die intelligente Mediendistribution gehören zum neuen Geschäftsbereich, für den in Bonn neue Top-Manager vorgestellt wurden. "Wir wollen der Enabler für Zukunftsmärkte in Deutschland sein", erklärte Telekom-Chef René Obermann.

Statistisch gesehen verbringt jeder Deutsche zwei Jahre seines Lebens im Auto. Hier möchte ihn die Telekom erreichen und Services anbieten, bei denen Daten aus der Fahrzeugelektronik, der Verkehrsleitung und die Aktivitäten des Mobiltelefons verschmolzen sind. Die Verzahnung soll bis hin zu den Bürodaten gehen und vor sozialen Netzwerken nicht haltmachen. "Die junge Generation kauft Autos und fragt, ob Facebook installiert ist", erklärte Horst Leonberger, Bereichsmanager vernetzte Fahrzeuge. Im Verbund mit Technologiepartnern wie Continental will die Telekom Bedienkonzepte entwickeln, die solche Bedürfnisse abdecken können, ohne die Sicherheit im KFZ zu gefährden. Gezeigt wurde das Beispiel einer Familie auf Urlaubsfahrt, die vom Auto aus die Kaffeemaschine zu Hause abschalten kann. Nach einer Marktanalyse sollen deutsche Autofahrer bereit sein, 10 Euro im Monat für entsprechende Teledienste im Auto zu bezahlen. Neben Konzepten für den Pkw-Bereich wurde eine Telematik-Unit angekündigt, die in Zusammenarbeit mit MAN entwickelt wird und standardmäßig in allen MAN-Lkw für eine bessere Flottensteuerung sorgen soll. Die neuen Telekom-Projekte sollen nichts mit der Debatte um die Einführung einer Pkw-Maut zu tun haben, betont die Telekom, auch die OBU der Telekom-Tochter Toll Collect habe nichts mit diesen Mehrwertdiensten zu tun.

Im vernetzten Gesundheitswesen setzt die Telekom neben bereits bekannten Telematiklösungen wie GlucoTel besonders auf die Vernetzung von Arztpraxen und Krankenhäusern. Demonstriert wurde eine iPad-Applikation namens Checkpad für die stationäre Visite, die automatisch aktuelle Laborbefunde und Behandlungsdaten am Krankenbett zusammenführt. Ein gemeinsames Projekt von der Volkswohnung Karlsruhe und der Telekom zum Wohnen im Alter mit integrierter Hausarztanbindung wurde vorgestellt. Es soll demonstrieren, wie ein alterndes Deutschland dank IT länger ohne Betreuung eigenständig leben kann."Wir sind der Dienstleister, der die Kommunikation von Arzt, Patient und Krankenhaus bereichsübergreifend anbieten kann", erklärte Axel Wehmeier, Bereichsmanager vernetztes Gesundheitswesen. Weil Krankenkassen mit sehr eigenen IT-Landschaften fusionieren, sieht man sich zunächst einmal vor allem als Dienstleister solcher IT-Vernetzungen.

Intelligente Stromzähler und Stromsteuerungsfunktionen, die die Telekom zusammen mit ABB anbieten will, stellte Bereichsmanagerin Gabriele Riedmann de Trinidad vor. Nach ihren Angaben müssen bis 2020 in 42 Millionen deutschen Haushalten neue Stromzähler nach EU-Richtlinien verbaut werden, die alle 15 Minuten Verbrauchsdaten über einen eigenen Kommunikationskanal liefern. Als Partner der Stromversorger bzw. der Stadtwerke will die Telekom ein sicheres Datenmanagement der Verbrauchsdaten liefern. Gleichzeitig will der Konzern Schnittstellen entwickeln, über die elektronische Geräte besser gesteuert werden. Auf Nachfragen, wie die Datensicherheit beim "Smart Metering" gewahrt wird, schaltete sich Telekom-Chef René Obermann ein. Er verwies auf eine Umfrage, nach der die deutschen Verbraucher der Meinung sind, dass ihre persönlichen Daten bei der Telekom sicherer sind als bei Wettbewerbern.

Der vierte Teilbereich der "intelligente Netzlösungen", die intelligente Mediendistribution, wurde nur kurz angerissen. Man habe zwar etliche Projekte mit Medienunternehmen in der Realisierung, aber noch nicht den entsprechenden Posten im Top-Management besetzen können, erklärte Obermann.

Bis 2015 sollen die neue Sparte intelligente Netzlösungen einen Umsatz von 1 Milliarde erzielen. Damit liegt die neue Sparte unter den Internet-Services, die bis 2015 auf 1,2 bis 2,2 Milliarden Umsatz kommen sollen, oder Cloud Computing und Connected Home mit jeweils 2 Milliarden prognostiziertem Umsatz. Weit entfernt ist auch das mobile Internet, für das ein Umsatzziel von 8 Milliarden ausgegeben wurde. Dennoch ist die neue Sparte ein Hoffnungsträger für die Telekom. "Wir sehen intelligente Netze als ein langfristiges Entwicklungsfeld", betonte René Obermann. "Man sollte nicht kurzfristig denken, sondern von einem 10-Jahres-Charakter ausgehen und schauen, wie sich die Sache 2020, 2030 entwickelt hat." Für T-Systems freute sich Vorstand Reinhard Clemens über die "agile Unternehmenskultur": "Die neuen Manager haben alle Möglichkeiten, übergreifende Themen anzugehen mit Freiheiten, die es so noch nie in unserem Konzern gegeben hat." (jk)

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