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Telekom startet VDSL-Testbetrieb mit IPTV im Mai

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Die Deutsche Telekom schließt ab Mitte Mai einige hundert Kunden an ihr VDSL-Glasfasernetz an, das Endkundenanschlüsse mit Downloadraten bis 50 MBit/s verheißt. Die erste VDSL-Ausbaustufe umfasst die beiden größten deutschen Städte Berlin und Hamburg sowie München, Hannover, Frankfurt am Main, Leipzig, Nürnberg, Stuttgart und Düsseldorf. Die ausgewählten Kunden können unter anderem ein IPTV-Angebot von T-Online, das während der Testphase kostenlos ist, nutzen. Das TV-Angebot beinhaltet zunächst 100 TV-Sender, Pay-TV sowie eine Online-Videothek und soll kontinuierlich um "Zubuchoptionen" in den Bereichen Sport, Musik, Fremdsprachen und Erotik erweitert werden.

Bei diesem Triple-Play-Angebot arbeitet die Telekom mit Microsoft zusammen. Die IPTV-Nutzer erhalten einen von der Cisco-Division Linksys stammenden, so genannten Media Receiver T-Home X 300T. Dieser besitzt eine 80 GByte große Festplatte, USB-, Ethernet- respektive Scart-Anschlüsse und ist dank HDMI-Schnittstelle HDTV-fähig. Die Box kann T-Online zufolge zwei parallele Videostreams verarbeiten und ermöglicht zeitversetztes Fernsehen ("Time Shift"). Einen Preis nannte T-Online noch nicht. Dieser werde "attraktiv" sein, hieß es heute bei den Darmstädtern, um "möglichst große Kundenkreise erschließen" zu können.

Die breite Vermarktung des VDSL-Netzes soll in der zweiten Jahreshälfte anlaufen. Offen ist noch, inwieweit die Telekom das VDSL-Netz für Konkurrenten öffnen muss. Die Europäische Kommission verlangt eine Regulierung der VDSL-Angebote und droht mit einer Klage, falls der nationale Regulierer Ausnahmen für die Telekom zulässt. Diese vertritt hingegen den Standpunkt, dass das VDSL-Netz eine technische Neuerung ist, die damit befristet von der Aufsicht befreit werden könnte. Für den VDSL-Netzaufbau investiert die Telekom nach eigenen Angaben drei Milliarden Euro; sie verlangt zum Schutz ihrer Investitionen Ausnahmen von der Telecom-Regulierung und bekam für diese Forderung Rückendeckung von der Bundeskanzlerin, der sich ihr CDU-Parteifreund, der nordrhein-westfälische Ministerpräsidenten anschloss – der Sitz des Telekom-Konzerns ist Bonn. Die Bundesnetzagentur führt derzeit dazu eine Anhörung durch, die sich nach Einschätzung des Branchenverbands VATM bis ins kommende Jahr ziehen könnte.

Die Telekom verspricht sich von dem VDSL-Netz zusätzliche Einnahmen, mit denen der Rückgang im traditionellen Festnetzgeschäft abgefedert werden soll. "In Deutschland wird unser Angebot zwischen zwei und vier Wochen vor dem Start der Bundesliga am 15. August im Markt verfügbar sein", sagte T-Online-Chef Rainer Beaujean dem Handelsblatt. Als Zugpferd für den neuen Dienst soll die Fußball-Bundesliga dienen, für die die Telekom Internetrechte erworben hat. Allerdings ist momentan offen, wie das Unternehmen diese nutzen darf. Die Fernsehrechte liegen bei Arena, die sich gegen eine parallele IPTV-Übertragung von Bundesliga-Spielen durch die Telekom sträubt. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) meldet mit Bezug auf Branchenschätzungen, dass die Telekom für die Internetrechte an der Bundesliga lediglich rund 45 Millionen Euro pro Saison zahlt, während Arena geschätzte 220 Millionen Euro pro Spielzeit an Lizenzgebühren für die Pay-TV-Rechte aufzubringen hat. Arena fürchtet um eine Entwertung seiner Investitionen in dem Maße, in dem das Parallelangebot der Telekom Erfolg hat.

Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL), die künftig die Bundesliga-Bilder selbst produzieren will, beargwöhnt Hinweise auf eine Kooperation von Telekom und dem früheren Inhaber der Bundesliga-Fernsehrechte, Premiere. DFL-Präsident Werner Hackmann hatte eine mögliche Ausstrahlung des IPTV-Signals der Telekom in Zusammenarbeit mit Premiere über Satellit für Gebiete ohne VDSL-Anschluss als "nicht akzeptabel" bezeichnet. Die Telekom steht hingegen auf dem Standpunkt, dass die DFL die Live-Rechte zweimal veräußert habe, um den Wettbewerb anzukurbeln. Die unterschiedlichen Lizenzgebühren für Arena und Telekom berücksichtigten dabei den jeweiligen Stand der Verbreitungstechnik. Bei einer IP-Verbreitung – egal über welchen Kanal – handele es sich um eine technische Neuerung, die so im Markt noch nicht verfügbar sei und somit noch über eine geringere Reichweite als das klassische TV-Signal verfüge, behauptet die Telekom.

Zur Auseinandersetzung um die Telekommunikationsregulierung und das geplante VDSL-Netz der Deutschen Telekom siehe auch: