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Telekom startet Vollversion ihres Online-Kiosks PagePlace

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Mit 150 neuen Verlagen an Bord und zusätzlicher Unterstützung des Android-Betriebssystems hebt die Deutsche Telekom ihren Online-Kiosk PagePlace für Bücher, Zeitschriften und Zeitungen aus der Beta-Phase. "Wir sind auf dem Weg zum Vollsortiment einer digitalen Bibliothek", freute sich Thomas Kiessling, Innovationschef bei dem Bonner Konzern, beim Startschuss für die Plattform im früheren Techno-Club E-Werk in Berlin. Im Angebot seien nun prinzipiell etwa 40.000 elektronische Bücher sowie 450 digitale Magazine und 50 Zeitungen, darunter "Die Zeit", das "Handelsblatt", die "Süddeutsche" oder der "Focus". Die Telekom sei dabei, eine offene Plattform im Medienbereich zu werden. Mit PagePace wolle sie ihre derzeit rund 400 Verlagspartner unterstützen, "in die digitale Welt hineinzuwachsen".

Der E-Kiosk ging zur CeBIT Anfang März zunächst als Rumpfversion fürs Web und für die Apple-Geräte iPhone, iPad und iPod touch online. Nutzungszahlen gibt der Konzern noch nicht heraus. "Wir haben derzeit eine breite Gruppe an Beta-Anwendern", erklärte Kiessling. Für Android stünden nun "mehrere zehntausend" Werke zur Verfügung, für iOS erst 3000, da Apple darauf bestehe, "dass man sie in der Applikation kauft". Nach Apples Vorgaben müssen App-Anbieter, die ihre Inhalte auch außerhalb der Anwendung verkaufen wollen, diese zugleich auch für die In-App-Vermarktung bereitstellen. Die Kalifornier behalten von den innerhalb einer App getätigten Verkäufen 30 Prozent des Nettopreises ein.

"Android wird unsere führende App sein", kündigte Kiessling an. "Wir werden diese zuerst testen und sehen dort die Zukunft." Die Leistungsfähigkeit des Google-Systems sei mit Apple vergleichbar, während es parallel leichter falle, Applikationen zu integrieren und so die Innovationsgeschwindigkeit zu erhöhen. Die PagePlace-App läuft auf Android-Geräten mit den Versionen 2.2 und 2.3 sowie 3.0, die speziell für Tablets entwickelt wurde.

Von Juli am möchte die Telekom Kiessling zufolge zusätzlich flexible Abo-Modelle mit festen oder variablen Laufzeiten aufsetzen und die Verknüpfung zu sozialen Netzwerken verbessern. Weiter kämen Hörbucher ins Angebot. PagePlace setzt auf einem Modell auf, in dem die Bonner ähnlich wie Apple einen Teil der generierten Umsätze einbehalten. "Es könnte aber auch in Werbemodelle gehen, wenn die Verlage das wünschen", erläuterte Kiessling. Die Kundendaten blieben aber immer auf Seiten der Verlage. Zu den genauen Konditionen wollte er nichts sagen, da diese "verschieden" seien. Den großen Mehrwert für die Verlage sieht Kiessling darin, dass sie nicht selbst die laufend wachsende Vielfalt an mobilen Betriebssystemen ständig aktuell halten.

Um mit Konkurrenten der "Pubbles"-Plattform von Bertelsmann mitzuhalten, fasst die Telekom auch eine App für Tablets auf Basis des Betriebssystems des Blackberry-Herstellers RIM sowie eine Internationalisierung des Kiosks ins Auge. Den Gesamtmarkt für E-Print schätzt der Konzern hierzulande auf rund 500 Millionen Euro in 2015, in Europa deutlich über 1 Milliarde Euro. "Wir wollen auch in die offenen Buch-Reader hineinkommen", meinte Kiessling. Verhandlungen etwa mit Sony liefen derzeit noch. Der Vorteil sei, dass die Telekom die entsprechenden Endgeräte auch selbst verkaufe und so Bündel-Angebote schnüren könne, in denen der Kunde möglicherweise den Datenverkehr nicht bezahlen müsse. (jo)