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Telekom steigt bei Global One aus

Die Deutsche Telekom verkauft ihren Anteil am internationalen Telekommunikationsverbund Global One an France Telecom. Für die Beteiligung von 29,2 Prozent erhält die Telekom 5,4 Milliarden Mark; zusätzlich bekommt der Konzern Anteilseigner-Darlehen in Höhe von 366 Millionen Mark zurück. Am Mittwoch bereits hatten die Deutsche Telekom und France Telecom die Anteile des amerikanischen Global-One-Beteiligten Sprint übernommen -- damit ist das Unternehmen nun vollständig in den Besitz von France Telecom übergegangen.

Global One stellte den Versuch der Deutschen Telekom dar, in Kooperation mit France Telecom und dem amerikanischen Anbieter Sprint in die internationalen Märkte einzusteigen und besonders in den USA einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Das Vorhaben stand aber unter keinem besonders guten Stern: Bislang schreibt Global One, das vor allem internationalen Großunternehmen globale Telekommunikationsdienstleistungen anbietet, immer noch rote Zahlen.

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Die Auseinandersetzungen zwischen den Partnern förderten das Unternehmen auch nicht gerade: Der Versuch des deutschen Konzerns, die Telekom Italia zu übernehmen, führte zu Spannungen mit France Telecom, die auch Global One in Frage stellten. Schon im September 1999 sprach Telekom-Chef Ron Sommer von einer unbefriedigenden Situation bei Global One. Nach der Übernahme von Sprint durch MCI Worldcom sah es für die Zukunft von Global One und die hochfliegenden Pläne der Deutschen Telekom, im US-Markt Fuß zu fassen, endgültig schwarz aus. MCI rückte mit der Übernahme von Sprint endgültig zum zweiten der US-Branche auf und kündigte Ende 1999 bereits an, auch in Europa eine ähnliche Position einnehmen zu wollen.

Mit dem Verkauf der Global-One-Anteile an France Telecom bereinigt die Deutsche Telekom zumindest die Auseinandersetzungen um das Konsortium und gewinnt Kapital für neue Investitionen. Außerdem ist die Telekom nun von Restriktionen aus der Global-One-Partnerschaft frei, die unter anderem ihre Bewegungsfreiheit in den USA einschränkten. Sommer kündigte schon an, der Konzern werde seine "Internationationalisierungsstrategie konsequent fortführen", unter anderem durch Übernahmen und Merhheitsbeteiligungen.

Allerdings dürfte die Telekom mit dem Rückzug aus Global One weiter in Zugzwang geraten: Bislang kann das Unternehmen in den USA, dem größten Telekommunikationsmarkt der Welt, außer einer offiziellen Lizenz zur Bereitstellung von Telekommunikationsdienstleistungen und sechs lokalen Datennetzen noch nicht viel vorweisen. Und die Versuche, durch Übernahmen international in eine bessere Ausgangsposition zu kommen, waren bislang nicht gerade von Erfolg gekrönt -- neue Anläufe dürfte die Konkurrenz zudem nicht ohne Gegenmaßnahmen hinnehmen. Kein Wunder also, dass Ron Sommer den Rückzug aus Global One als "weiteres Beispiel für die klare internationale Positionierung der Deutschen Telekom" verteidigt, um die Anleger zu beruhigen. (jk)

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