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Telekom und Cloud-Notizendienst Evernote arbeiten zusammen

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Die Deutsche Telekom setzt ihren Kurs auf Allianzen mit Internet-Unternehmen fort und kooperiert mit dem Cloud-Notizendienst Evernote. Telekom-Kunden bekommen die kostenpflichtige Evernote-Version, die üblicherweise 40 Euro pro Jahr kostet, für ein Jahr gratis. Das Angebot steht laut der Telekom allen Vertragskunden mit Festnetz-, Breitband- und Mobilfunkanschlüssen zur Verfügung; es gilt nicht nur für Neukunden, sondern auch für Kunden, die bereits einen Vertrag mit der Telekom haben. Evernote hat bereits vergleichbare Kooperationen mit den Providern Docomo (Japan), Orange (Frankreich) und Taiwan Mobile geschlossen.

In Deutschland hat der Dienst, bei dem sich Notizen u.a. mit Text, Audio-Aufnahmen, Office-und PDF-Dateien Bildern, Internet-Links oder Auszügen von Webseiten online speichern, nach beliebigen Kriterien und Schlagworten organisieren und mit unterschiedlichsten Geräten abrufen lassen, 1,33 Millionen Nutzer. Weltweit verwenden mittlerweile 50 Millionen User Evernote. Der Dienst ist grundsätzlich kostenlos, hat aber ein monatliches Upload-Limit von 60 MByte. Nutzer mit den kostenpflichtigen Premium-Account bekommen aber unter anderem mehr Upload-Kapazität pro Monat und bessere Suchfunktionen.

Der Deal mit der Telekom gibt dem Dienst die Chance, Premium-Nutzer unter den 37 Millionen Mobilfunk- und 22 Millionen Festnetz-Kunden der Telefon dauerhaft zu gewinnen. Die Telekom wiederum setzt unter ihrem Noch-Chef René Obermann auf Partnerschaften mit Internet-Firmen, um dem Unternehmen zusätzliche Erlösquellen zu erschließen. So kooperiert die Telekom bereits mit dem Musikdienst Spotify, dessen Angebot mit einigen Tarifen gekoppelt ist. Bei der Spotify-Kooperation wird der anfallende Daten-Traffic nicht auf das Datenvolumen des jeweiligen Vertrags angerechnet. Bei der Evernote-Kooperation sind dagegen die erweiterten Möglichkeiten und das erhöhte monatliche Upload-Limit von Evernote Premium für Telekom-Kunden kostenlos; der Daten-Traffic wird aber weiterhin auf das monatliche Datenvolumen des Telekom-Vertrags angerechnet.

Die Mobilfunk-Anbieter beklagen sich, dass sie viele Milliarden in den Netzausbau stecken müssen, während Internet-Unternehmen die Profite abgreifen. Gerne würden die Provider einen sogenannten zweiseitigen Markt etablieren, in dem sie von den Usern für den Netzzugang zu bestimmten Diensten und gleichzeitig von den Anbietern für die Durch- und Weiterleitung von Traffic kassieren.

Kritiker sehen in solchen Kooperationen, bei denen etwa das Musikstreaming per Spotify nicht auf das monatliche Datenvolumen eines Mobilfunkvertrags angerechnet wird oder spezielle Dienste wie Evernote Premium für Kunden kostenlos sind, eine Aushebelung der Netzneutralität und die ersten Schritte zu einem Zweiklassen-Internet: Je nach Dienst und Datenart würden dann die Provider entscheiden, ob dies etwa gedrosselt oder ganz unterbunden wird; die Provider könnten sich speziellen Traffic aber auch extra bezahlen lassen beziehungsweise je nach Vertrag in das Inklusivolumen eines Nutzer einrechnen. Nutzer bekämen damit – je nach Provider, mit dem sie einen Vertrag geschlossen haben –, unterschiedliche "Internets" zu Gesicht. (jk)

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