Telekom will mit guten Zahlen aus den negativen Schlagzeilen

Die Mitarbeiter schalten Solidaritätsanzeigen, das Management legt gute Geschäftszahlen vorab vor: Die Telekom möchte endlich einmal für positive Nachrichten sorgen.

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Von
  • Jürgen Kuri

Nicht nur Telekom-Chef Ron Sommer geht in die Offensive, um seiner Ablösung entgegenzuwirken: Auch der Konzern selbst möchte nicht nur mit juristischen Schritten, sondern auch mit guten Nachrichten endlich einmal die negativen Schlagzeilen konterkarieren. So weiß der größte europäische Telekommunikations-Konzern nunmehr auch Positives zu berichten: Man habe im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres nach vorläufigen Zahlen das operative Ergebnis gegenüber dem Vorjahr gesteigert, hieß es aus der Konzernzentrale in Bonn. Vor allem die Mobilfunk-Tochter T-Mobile mit der US-Tochter VoiceStream habe deutliche Zuwächse verzeichnet, teilte der Konzern in Bonn mit. Die Festnetzsparte T-Com stagnierte dagegen.

Mitarbeiter der Deutschen Telekom, die heute in mehreren überregionalen Tageszeitung in ganzseitigen Anzeigen ihre Solidarität mit dem Unternehmen bekundet haben, wiesen im Anzeigentext darauf hin, dass die Telekom kein Sanierungsfall sei, sondern ein wirtschaftlich starkes Unternehmen. Ähnliche Absichten verfolgt auch die Telekom mit der vorgezogenen Bekanntgabe der vorläufigen Unternehmenszahlen: Man habe Kritikern entgegnen wollen, die den Konzern als Sanierungsfall darstellten, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage der Wirtschaftsnachrichtenagentur dpa-AFX. Die vollständigen Zahlen sollen am 21. August vorgelegt werden. Für das Gesamtjahr erwartet die Telekom einen Zuwachs beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) im zweistelligen Bereich. Nach den schwachen Zahlen für das erste Quartal hatten Analysten dieses Ziel angezweifelt. "Das sollte nun entkräftet sein", sagte der Sprecher.

Das EBITDA der Tochter T-Mobile ist um eine Milliarde Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. In den ersten sechs Monaten des Vorjahres waren dieses rund 1,4 Milliarden Euro. Dies sei, "bezogen auf die operative Ertragskraft", das beste Halbjahr in der Unternehmensgeschichte gewesen, betonte der Konzern. Dabei kann die Telekom gleich noch einen Schlenker einlegen und versucht, Kritikern am Einstig ins US-Mobilfunkgeschäft ein bisschen den Wind aus den Segeln zu nehmen: Denn zur Ergebnisverbesserung bei der Mobilfunktochter habe vor allem die US-amerikanische VoiceStream beigetragen, meint der Konzern. VoiceStream habe ihr EBITDA im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um mehr als 50 Prozent gesteigert. In den ersten drei Monaten dieses Geschäftsjahres betrug das EBITDA von VoiceStream 106 Millionen Euro. Zulegen konnte die für rund 33 Milliarden Euro übernommene US-Mobilfunkgesellschaft auch bei den Kundenzahlen. Im zweiten Quartal hätten mehr als 525.000 Neukunden einen Vertrag bei VoiceStream unterschrieben. Zur Jahresmitte liege die Kundenzahl damit bei mehr als 8 Millionen. Gleichzeitig habe T-Mobile in Deutschland mit einem Zuwachs von über 200.000 Kunden "die Marktführerschaft weiter ausbauen" können.

Der Festnetzbereich T-Com ist für die Telekom nach eigenen Angaben immer noch die ertragreichste Sparte. Allerdings sind hier kaum noch Zuwächse zu verzeichnen, und es dürfte dem Konzern auch in den nächsten Monaten schwer fallen, in diesem Bereich zuzulegen. Immerhin konnte die Telekom das bisherige Ergebnis bei T-Com halten: Das EBITDA habe sich gegenüber dem ersten Halbjahr 2001 bei 5 Milliarden Euro stabilisiert. Der Umsatz stieg um 2 Prozent gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres von 14,7 Milliarden Euro.

Die Investoren zeigten sich von der Bekanntgabe der Zahlen am gestrigen Donnerstagabend erst einmal beeindruckt: Mit einem Plus von 4,13 Prozent auf 11,61 Euro war die T-Aktie zum Handelsschluss der zweitstärkste Wert im Dax, nachdem das Papier schon den ganzen Tag im Plus stand. Zeitweilig war das Papier sogar an der Dax-Spitze. (jk)