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Telepolis-eBooks: Von der Abschaffung der Demokratie mit demokratischen Mitteln und Nazi-Filmen, die wir nicht sehen dürfen

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Mit zwei Bänden startet Telepolis seine eBook-Reihe. Damit erweitert der hannoversche Heise Zeitschriften Verlag seine Buchsparte, in der bislang mehrere Printtitel pro Jahr zu gesellschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Aspekten des digitalen Zeitalters erscheinen, zuletzt von Jörg Friedrich: "Kritik der vernetzten Vernunft.Philosophie für Netzbewohner", das es ebenfalls als eBook gibt.

Hans Schmid widmet sich in Nazi-Virus im Film (erhältlich für 9,99 Euro bei Amazon, iTunes und im heise-shop) einem Thema, um das Filmhistoriker früher unter anderem deshalb einen Bogen machten, weil das Material dazu von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung unter Verschluss gehalten wurde. Mit dem Aufkommen von Videokassetten, DVDs und vor allem mit dem Internet änderte sich diese Situation jedoch grundlegend.

Doch nicht nur aus diesem Grund stellt sich Hans Schmid die Frage, ob Verbote weiterhin der richtige Umgang mit dem NS-Filmerbe sind. Denn bei seinem Selbstversuch stieß er auf zahlreiche Unterhaltungsfilme, bei denen 1945 nur die Hakenkreuze und Hitlergrüße entfernt wurden, bevor sie das Fernsehen wieder sendete. Eine Untersuchung auf den versteckteren (und dadurch wirksameren) Propagandagehalt unterblieb bei ihnen bislang ebenso wie das ernsthafte Stellen der Frage, welche Wirkung "Hitlerjunge Quex", "… reitet für Deutschland" mit Willy Birgel oder die Werke von Veit Harlan heute hervorrufen.

Die Wirtschaft übt seit der vormaligen Regierung Schröder/Fischer einen wachsenden Einfluss auf die Entscheidungsfindung der Politik aus. Seither wird mit Hochdruck daran gearbeitet, Maßgaben der Wirtschaft in der Öffentlichkeit durchzusetzen. Die politische Entscheidung wird argumentativ vor allem in eine Richtung gebracht, die mit Schlagworten "Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschlands" durch mehr "Deregulierung" und "Flexibilisierung" umrissen ist. Parlamentarier nicken häufig nur noch ab, was ihnen Wirtschaftslobbyisten an Gesetzesentwürfen vorbereiten.

Mit der Einsetzung des Bankenrettungsschirms und der darauf folgenden "Schuldenbremse" in Deutschland wurde dann die Blaupause für die europaweite Entmachtung der Parlamente in Gestalt des ESM geschaffen, der wiederum gleichzeitig als Gesetz und Vertrag bindend ist und oberhalb der Entscheidungskompetenz der einzelnen Parlamente steht.

Die "Abschaffung der Demokratie mit demokratischen Mitteln" ist die Kernthese des zweiten Buchs der eBook-Reihe, "Enthemmte Wirtschaft" von Reinhard Jellen (erhältlich für 3,99 Euro bei Amazon, iTunes und im heise-shop). Wie es dazu kommen konnte, zeichnet dieses Buch mit Interviews aus dem Jahr 2002 bis in die Gegenwart nach und untersucht die Tendenzen und Phänomene auf ökonomischer und politischer Ebene. (fr)